Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede:  Soziales Training

 

Soziales Training

An diesen Stellen erfahren Sie mehr zu folgenden Aspekten:

1. Charakterisierung der Maßnahme

Soziales Training ist eine Maßnahme der Aus- und Weiterbildung. Es erweitert die in den Justizvollzugsanstalten bestehenden Eingliederungshilfen. Soziales Training greift Schwierigkeiten in der Lebensbewältigung auf und verbessert die Handlungskompetenz der Gefangenen in Alltagssituationen. Die Gefangenen erhalten die Möglichkeit, sich Fähigkeiten anzueignen, die sie befähigen, Einstellungen und Verhalten zu hinterfragen und zu verändern. 

Die Maßnahme basiert auf der Erkenntnis, dass dem Prozess des sozialen Lernens ein Gleichgewicht der Einstellungs-, Wissens- und Verhaltensebene zugrunde liegt.

Bei dem hier vorgestellten Konzept des Sozialen Trainings handelt es sich um eine Behandlungsmaßnahme, die in der arbeitsfreien Zeit der Gefangenen stattfindet.

Sie basiert auf dem Konzept des Psychologen Dr. Otto, der ein soziales Trainingsprogramm speziell für den Vollzug erarbeitet hat

2. Gliederung des Trainingsprogramms

Es sind sechs Trainingsfelder zu bearbeiten, die jeweils im sogenannten 4er-Schritt (dem Prozess des sozialen Lernens) durchlaufen werden. 

Die genannten vier Schritte umfassen im Einzelnen:

  • Bewusstmachung (von Problemen, Defiziten, Bedürfnissen,  Änderungswünschen, Stärken) 
  • Wissensvermittlung (Informationen einbringen,  Informationslücken schließen)
  • Lösungsmöglichkeiten erarbeiten (Verhaltensziel erarbeiten, Denken als Oberhandeln) 
  • Rollenspiel (Rollenspiel als Probehandeln) 

Die einzelnen Trainingsfelder umfassen folgende Themen: 

  • Geld und Schulden 
  • Arbeit (und Arbeitslosigkeit) 
  • Alkohol und Drogen 
  • Soziale Beziehungen 
  • Rechte und Pflichten
  • Freizeit 

3. Zielgruppe

Das Angebot wendet sich an Strafgefangene, die sich auf eine Verlegung in den offenen Vollzug vorbereiten oder deren Entlassung voraussichtlich in 3 bis 12 Monaten erfolgt. 

4. Aufnahmekriterien

  • Die maximale Gruppengröße ist auf 8 Gefangene beschränkt 
  • Zeitliche Voraussetzungen: Die Maßnahme muss komplett durchlaufen werden können
  • Freiwilligkeit 

5. Stellenwert der Maßnahme 

Die Maßnahme genießt Vorrang vor anderen Maßnahmen außerhalb der Arbeitszeit (z. B. Sport). 

Umsetzungen der Gefangenen, welche die geplante Maßnahme zeitlich berühren (Arbeitszeit) sind zu vermeiden. Auf jeden Fall ist der Gruppenleiter einzuschalten, und Änderung bedürfen dessen Zustimmung. 

Bei vollzuglichen Entscheidungen, die Teilnehmer des Sozialen Trainings betreffen, soll der Gruppenbetreuer gehört werden. Hierzu zählen insbesondere Entscheidungen über Lockerungen und Urlaub sowie Stellungnahmen zur vorzeitigen Haftentlassung.

6. Gruppenzusammensetzung

Die Trainingsgruppe ist eine geschlossene Behandlungsgruppe. Neuaufnahmen erfolgen nur im Ausnahmefall. Die Trainingsgruppe soll aus Tätern verschiedener Deliktgruppen bestehen, um keine spezielle Problemgruppe zu erhalten. Auch eine sogenannte „Sympathiegruppe“ soll vermieden werden (keine Selbstzusammenstellung), um eine informelle Untergruppenbildung zu erschweren. Hiermit soll eine positive Vereinzelung erreicht werden. Hinweise zur Vorauswahl erfolgen durch den jeweiligen Sozialarbeiter, bzw. über die Vollzugskonferenz oder im Rahmen der Vollzugsplanung. Die Gruppenzusammensetzung findet ausschließlich durch den Gruppenleiter statt. 

7. Termin 

Die Maßnahme soll einmal wöchentlich angeboten werden und einen zeitlichen Rahmen von 120 Minuten umfassen. Vorgesehen ist der Freitag, in der Zeit von 13.30 Uhr bis 15.30 Uhr. 

8. Ausscheiden von Teilnehmern

Gefangene scheiden nur bei Haftentlassung, Verlegung in eine andere JVA oder bei massiver Störung der Gruppe aus der Maßnahme aus.. 

9. Ende der Maßnahme

Die Maßnahme endet, nach Erarbeitung aller Trainingsfelder (6 Trainingsfelder zu je  4 Sitzungen, oder wenn die Gruppenstärke unter 3 Teilnehmer sinkt. 

10. Rahmenbedingungen 

Die Fortbildungsmaßnahme wird von einem Team - bestehend aus 1 Sozialarbeiter und 1 Beamten des allgemeinen Vollzugsdienstes - organisiert und durchgeführt. 

Entsprechend der durch die Fortbildungsmaßnahme entstehenden zusätzlichen Arbeitsbelastung werden für jedes Team-Mitglied pro Sitzung 5 Überstunden genehmigt. 

Für den Bereich der Wissensvermittlung werden bei Bedarf externe Fachkräfte hinzugezogen.


 

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