Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede:  Justizvollzugsanstalt besteht 25 Jahre, 02.07.2002

 

Justizvollzugsanstalt besteht 25 Jahre, 02.07.2002

Justizvollzugsanstalt Brackwede  I  besteht 25 Jahre - mit 700 Insassen überbelegt

Geiselnahme 1987 trauriger >>Höhepunkt<<

Bielefeld-Brackwede I. Robert Dammann bringt es auf den Punkt. 25 Jahre Knast sind eigentlich kein Grund zum Feiern, sagte der Leiter der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede I. Und doch wollte man das Jubiläum nicht sang- und klanglos verstreichen lassen. Am vergangenem Wochenende fand daher ein Fußballturnier statt. Gefangene und deren Aufpasser kickten gegeneinander - hinter 5,50 Meter hohen Gefängnismauern. Eine Bielefelder Rockband sorgte für Stimmung. Ein Vierteljahrhundert BiBra I, wie der geschlossene Vollzug an der Grenze zur Gemeinde Steinhagen genannt wird, das ist auch ein Stück Kriminalgeschichte.

Im Sommer 1987 geriet die Brackweder Anstalt bundesweit in die Schlagzeilen. Trauriger Anlass war eine Geiselnahme. 19 Stunden lang hatten drei Gefangene zwei Vollzugsbedienstete in ihrer Gewalt. Klar, sie wollten ausbrechen, forderten ein Fluchtauto, das sie auch bekamen. Was sie nicht wussten: Das auto war präpariert, Unmittelbar nach dem Verlassen der Anstalt wurde eine Blendgranate gezündet, das Fluchtauto von SEK-Einsatzkräften gestürmt, die Geiselnehmer überwältigt. Ein Beamter wurde verletzt.

Spektakulär auch die Flucht von drei Gefangenen. Kurz nach Inbetriebnahme der Einrichtung 1977 gelang es zwei Gefangenen, aufgrund noch bestehender baulicher Sicherheitslücken auszubrechen. In den 80-er Jahren folgte ein Gefangener, der, versteckt in einer Transportkiste, die Freiheit wieder erlangte. Als in den 70-er Jahren die innere Sicherheit in der Bundesrepublik durch terroristische Gewalttaten erschüttert wurde, stellte sich auch für die JVA Brackwede I  ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis im Hinblick auf die Unterbringung einschlägiger Gefangener. Die Anstalt wurde umgebaut und erweitert. In den vergangenen zwei Jahrzehnten waren in Brackwede sieben weibliche Gefangene aus der <RAF< - unter ihnen Adelheid Schulz, Siglinde Hofmann, Birgit Hogefeld und Brigitte Mohnhaupt - sowie vier männliche Gefangene aus den > Revolutionären Zellen< untergebracht. Auch der Balsam-Vorstand saß in BiBra  I, ebenso wegen Betruges ein Vorstandsmitglied der insolventen Ceyoning AG. 700 Gefangene >sitzen< derzeit in der Einrichtung in Ummeln. Damit ist das Gefängnis >heillos überbelegt<, wie Oliver Burlage, der stellvertretende Anstaltsleiter, sagt. Unter den Insassen befinden sich in einem eigenen Trakt 100 Frauen. Die Ausländerquote liegt bei knapp 30 Prozent. Es gibt vorwiegend Einzel-, aber auch Gemeinschaftszellen. Zehn Insassen sind zu >lebenslänglich< verurteilt. Sie haben gemordet. Eine Frau hat ihren Mann vergiftet. Dass die Mörder nach 20 bis 25 Jahren aus der Haft entlassen werden, stimmt so pauschal nicht, betont Jurist Robert Dammann. Vorraussetzung sei, dass ein Psychologe dem Insassen eine >günstige Prognose< bescheinige. Die Entscheidung über die Entlassung treffe dann das Gericht.

Die Anstalt wurde als Ersatz für die damalige Haftanstalt Bielefeld in der Gerichtsstraße und für das Landesgefängnis Paderborn geplant. Die Idee war, eine zentrale Untersuchungshaftanstalt für Ostwestfalen zu bauen. Im Mai 1977 wurde sie in Betrieb genommen, am 30. August des gleichen Jahres vom damaligen Justizminister Posser offiziell eröffnet. Baukosten einschließlich der 50 Dienstwohnungen: 75 Millionen Mark.

Die Anstalt besteht aus sieben Hafthäusern, wobei ein Hafthaus für den weiblichen Vollzug (Strafhaft und U-Haft) als eigenständige Einhaeit errichtet wurde. In der Anstalt sind 350 Personen beschäftigt, davon 240 Justizvollzugsbeamte, Sozialarbeiter, Psychologen, Pfarrer und Juristen gehören ebenso zum Personal.

Samstag interner Tag der offenen Tür

Die Anstalt verfügt über Krankenabteilung, Anstaltsküche, KFZ - Werkstatt, Schreinerei, Schlosserei, Sporthalle und Außensportanlage; außerdem über fünf Werkhallen, eine Lehrküche für weibliche Gefangene und eine Personalkantine.

Am kommenden Samstag können die Angehörigen der in der Anstalt Beschäftigten die Einrichtung anschauen. Von 13 bis 18 Uhr findet ein interner >Tag der offenen Tür< statt.

Westfalen Blatt  am  02. Juli  2002


 

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