Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede:  19 Jahres des Lebens im Knast, ein Häftling erzählt, 05.05.2004

 

19 Jahres des Lebens im Knast, ein Häftling erzählt, 05.05.2004

19 Jahre des Lebens im Knast. Ein Häftling erzählt:

Betrug, Heiratsschwindel, Handel mit Tierarzneien. 

Vlotho/Bielefeld (jez). Peter S. (Name geändert) ist seit sechs Monaten inhaftiert. Im August 2004 wird der 49­Jährige entlassen.

Warum sind Sie im Gefängnis?

Wegen Betrug, Heiratsschwindel und Handel mit Tierarzneimitteln.

Sind Sie das erste Mal inhaftiert?

Nein. Insgesamt habe ich schon 19 Jahre meines Lebens hinter Gittern verbracht. Die längste Zeit war ich im Gefängnis in Werl. 60 Monate musste ich dort einsitzen. Damals war der Grund Scheinfirmengründungen.

Wieso wird man immer wieder zum Straftäter, wenn man ein-mall im Gefängnis gesessen hat? War Ihnen das keine Lehre?

Ich bin gelernter Fleischer und habe schon immer auf großem Fuß gelebt. Ich war richtig größenwahn-innig und habe nie auf den Boden der Realität zurückgefunden. Ich wollte schnelles Geld verdienen und dicke Autos fahren. Das war schon fast wie eine Sucht.

Wie ist das Leben in einem Gefängnis? Was vermissen Sie?

Eigentlich macht mir das Leben im Knast nichts aus. Ich habe hier alles. Eine saubere Einzelzelle, Fernsehen und Radio. Da ich in der Entlassungsvorbereitung bin, bleibt meine Zelle den ganzen Tag geöffnet und ich kann mich auf dem Flur frei bewegen und mit anderen sprechen. Und ich arbeite hier ja auch als Hausarbeiter. So bin ich auch viel an der frischer, Luft. Schlimm ist manchmal nur die Einsamkeit.

Wie ist der Umgang unter den Häftlingen und zu den Beamten?

Hier gibt es wenige Reibereien. Gewalt ist verboten. Denn sonst fliegt man von der Station.

Wie geht Ihr Leben nach der Entlassung weiter?

Ich bekomme zunächst Arbeitslosengeld und werde mir in einem anderen Bundesland eine kleine Wohnung suchen. Ich fange dann wieder bei Null an. Kinder und eine Frau habe ich nicht. Bald bin ich 50 und möchte dann endlich mal ein normales Leben führen

Vlothoer Anzeiger vom 05.05.2004


 

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