Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede:  Die Autos brachten ihn hinter Gitter. Ein Gefangener berichtet, 05.05.2004

 

Die Autos brachten ihn hinter Gitter. Ein Gefangener berichtet, 05.05.2004

Die Autos brachten ihn hinter Gitter. Ein Gefangener berichtet. 

Zweite Haftstrafe wegen Autoschieberei und Betrug / Familie wartet

Vlotho/Bielefeld (jez). Heiko M. (Name geändert) sitzt seit März 2003 in Bielefeld ein. Im August 2006 wird er entlassen. Weil er Familie hat und kein Gewaltverbrecher ist, bleibt auch seine Zelle den ganzen Tag offen.

Warum sind Sie im Gefängnis:
Wegen Autoschieberei im großen Stiel. Viele Autos habe ich ins Ausland verschoben. Ich hätte mehr kriegen können. Andere, die mit mir verurteilt wurden, haben im Schnitt 6 Jahre bekommen.

Sind Sie zum ersten Mal inhaftiert?
Schon zum zweiten Mal auch wegen einer Autogeschichte.

Warum haben Sie nicht aus Ihren Fehlern gelernt?
Wenn man immer mit Autos arbeitet, kommt man da nicht mehr runter. Kein Händler kann sich davon freisprechen, nicht wenigstens schon mal den Kilometerstand verändert zu haben. Allein damit macht man sich schon strafbar. Ich habe es auch nicht des Geldes wegen gemacht. Man hängt da eben mit drin.

Wie empfinden Sie das Leben hinter Gittern?
Ich habe zwei Kinder im Alter von 11 und 14 Jahren zu Hause und bin verheiratet. Die Zeit, die ich hier sitze, kann ich meinen Kindern und meiner Frau nicht wiedergeben. Das ist das Schlimmste, was es gibt. Mit meinem älteren Kind gibt es auch hin und wieder eine Auseinandersetzung. Sie will nicht, dass ich nochmal in den Knast komme. Ansonsten bin ich hier Hausarbeiter und kümmere mich um dass Essen und die Wäsche für die anderen Häftlinge.

Was machen Sie sonst am Tag?
Ich gucke Fernsehen und schreibe viele Briefe nach Hause. Mit anderen Häftlingen spreche ich wenig. Zumindest nicht über private Sachen. Nur einem vertraue ich was an.

Ist der Job hier für Justizvollzugsbeamte gefährlich?
Einmal wurde ein Beamtin angegriffen. Ich habe mich dazwischengestellt. Wer eine Frau angreift, hat vor nichts mehr Respekt. Damit macht man sich unter den Häftlingen auch nicht unbedingt Freunde.

Vlothoer Anzeiger vom 05.05.2004


 

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