Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede:  Partystimmung hinter Gittern, 00.07.2005

 

Partystimmung hinter Gittern, 00.07.2005

Partystimmung hinter Gittern

NW Juli 2005 Sommerfest in der JVA Bielefeld- Brackwede I mit Konzert und Tombola

. Brackwede (cv). "Schon wieder ein Jahr vorbei?", dachten sich wahrscheinlich viele der knapp 300 Gefangenen der Justizvollzugsanstalt

(JVA) Bielefeld-­Brackwede 1, als sie jetzt in den Gefängnishof durften. Und tatsächlich, es war wieder soweit: Das Sommerfest stand auf dem Programm.

Gut der Hälfte der insgesamt 550 bis 600 Gefangenen wurde gestattet, das heiß ersehnte Highlight des Jahres zu genießen. Die mit jeder Sorte von Gesetzesbrechern bestückte Anstalt hatte zuvor genau ausgewählt, welchen Gefangenen dieser Vorzug zuteil werden durfte und welche Gefangenen zu gewaltbereit für das knapp vierstündige Fest seien. Eine Taktik, die bislang immer aufging: In den vier Jahren, in denen das Sommerfest zu einer festen Größe im Kalender der "bösen Jungs" geworden ist, kam es zu keinen größeren Zwischenfällen, bestätigt der stellvertretende Anstaltsleiter Oliver Burlage. "Wir brauchen auch keine zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen. Es war bislang alles ruhig." Und das blieb es auch an diesem Nachmittag, was jedoch nicht nur an dem relativ sonnigen Wetter und den sommerlichen Temperaturen lag. Denn die Organisatoren hatten sich so Einiges für die Gefangenen einfallen lassen. Neben Würstchenbude, Hähnchen und Köftestand gab es ein großes Fußballturnier, bei dem Mannschaften "von draußen" und Mannschaften "von drinnen" teilnahmen wie von den JVA´s Bielefeld, Münster, Detmold und Werl oder der Feuerwehr Bielefeld und des SV Ahle. Besonderer Andrang herrschte bei der großen Tombola, bei der die Gefangenen viele im Knast nützliche Preise gewinnen konnten wie luftgetrocknete Würstchen, Tabak oder T-Shirts - aber auch Fernseher, kleine Kühlschränke und CD-Player. Gesponsert wurden die Preise unter anderem vom Bayer Leverkusen, DSC Arminia Bielefeld, von der Firma Bertelsmann und der Kabel 1/Pro Sieben-Gruppe.

Für die richtige musikalische Stimmung sorgte der Auftritt der Bremer Rockband "Civil-lies", die sich bei einer Ausschreibung für das Sommerfest in der JVA beworben hatten. "Wir wollten auch mal vor anderem Publikum spielen" , erklärte Frontfrau Sylvia Januschewitsch den ungewöhnlichen Auftritt. "Und auch einmal über den Tellerrand hinaus gucken." Besonders ihr Lied "Runaway" sorgte bei den Inhaftierten für viel Applaus.

Ist der geschlossene Strafvollzug also doch nicht so, wie man ihn sich als rechtschaffener Bürger vorstellt? Wenn man an diesem Tag in die Gesichter der Gefangenen schaute, konnte man dass vielleicht denken. Betrachtete man dann jedoch die unüberwindlichen meterhohen Mauern und die vielen unterschiedlichen Sicherheitsschleusen, so weiß man, dass dieser Gedanke wohl doch nur eine Illusion ist - ein Highlight eben.


 

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