Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede:  Ioakim Mallidis und seine Schüler zeigen ihre Arbeiten in der JVA, 08.10.1990

 

Ioakim Mallidis und seine Schüler zeigen ihre Arbeiten in der JVA, 08.10.1990

Ioakim Mallidis und seine Schüler zeigen ihre Arbeiten in der JVA 

Erste Kunstausstellung hinter Gittern

Bielefeld-Ummeln (-bin). Nicht gerade alltäglich und für den Vollzug untypisch ist - wie Anstaltsleiter Axel Dantz es nannte - die erste Kunstausstellung, die jetzt in der Justizvollzugsanstalt Belefeld-Brackwede  I eröffnet wurde. Statt die Arbeiten - neben den Werken des Kunsterziehers Ioakim Mallidis sind auch einige seiner Schüler zu sehen - zu interpretieren, stellte Danz den Gästen der Vernissage, zu denen auch Christian Dertinger, Präsident des Justizvollzugsamtes Westfalen-Lippe, gehörte, den Künstler vor:

Ioakim Mallidis, der 1957 in Athen geboren wurde, besuchte von 1977 bis 1979 die Fachhochschule für Graphik und Design, anschließend die Hochschule für Künste in seiner Heimatstadt. 1983 entschloß er sich, Deutschland zu besuchen. Dantz: "Es hat ihn dann nach öhne verschlagen, was ihn nicht entmutigt hat, drei Jahre später nach Bielefeld zu gehen.

Bis 1987 war Ioakim Mallidis als Austauschhospitant am Theater Recklinghausen, seitdem ist der Kunsterzieher aus dem Land der Hellenen als Mitarbeiter des Sozialpädagogischen Bildungswerkes Bielefeld engagiert. Zwei Jahre lang betreut Ioakim Mallidis, der auch als Kursleiter bei der Volkshochschule tätig ist, nun schon als ehrenamtlicher Mitarbeiter drei Gruppen von Häftlingen. Dantz: "Sein Ziel ist es, sine künstlerischen Einsichten weiterzugeben. Und er versucht, in den Gefangenen das zu wecken, was in ihnen steckt."

Auch Ioakim Lallidis mochte seine Werke nicht deuten: "Jeder, der sie ansieht, sollte sie selbst interpretieren. Für mich sind sie wie Kinder, und es gibt keine Eltern, die sagen, mein Kind ist häßlich oder mein Kind ist schön. Doch für mich sind meine Kinder schön." Neben Bleistift-, Kreidezeichnungen und Pigmentbildern sind auch Objekte zu sehen. "Optical Kinetics" sind Kunstwerke, die der 33 jährige aus ganz alltäglichen Dingen wie Frähte, Konservendosen oder Pappe zusammenfügt und mit Hilfe von Motoren und Lichteffekten "belebt". Ioakim Mallidis: "Es ist ein Spiel, und wenn Sie mitspielen möchten, würde ich mich freuen."

Die Idee zu dieser Ausstellung, die auch Selbstporträts und Styropor-Arbeiten von Gefangenen beinhaltet, kam übrigens ganz spontan. Sozialarbeiter Peter Beckmann: "Das ist uns vor einer Woche eingefallen, um den Bediensteten die hier arbeiten, zu zeigen, was Ioakim Mallidis in der Anstalt eigentlich macht." Darüber hinaus habe die Ausstellung auch den positiven Effekt, daß Besucher von außerhalb hereinkommen und der geschlossene Strafvollzug sich ein wenig öffne.

Westfalen Blatt   am  08.10.1990


 

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