Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede:  Feier hinter Betonmauern, Sommerfest im Männergefängnis, 10.07.2004

 

Feier hinter Betonmauern, Sommerfest im Männergefängnis, 10.07.2004

Feier hinter Betonmauern, Sommerfest im Männergefängnis JVA Bielefeld-Brackwede I

Ummeln (buck). Diebe, Mörder, Erpresser und Vergewaltiger feierten am Wochenende mit ihren Vollzugsbeamten. Ärger gab es nicht - die alljährliche Abwechselung ist den Insassen der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede I (JVA BiBra I) heilig. Ein Fußballturnier, Live-Musik, Bratwurst, türkische Knoblauchfrikadellen und Hähnchenkeulen genossen Häftlinge, Psychologen, Sozialarbeiter und Juristen beim Sommerfest hinter meterhohen Mauern - Bier gab es nicht.

310 Insassen entfleuchten am Samstag für einige Stunden dem Gefängnisalltag. Mittäter, Untersuchungshäftlinge und Aggressive waren ausgeschlossen. "Das Risiko ist zu hoch", sagt Oliver Burlage, seit April 2002 stellvertretender Leiter der JVA. Männer in Untersuchungshaft sollen daran gehindert werden, sich mit Mittätern vor Gerichtsverhandlungen oder Vernehmungen abzusprechen.

496 Männer sitzen zurzeit in der JVA BiBra I ein. "Historischer Tiefstand", sagt Burlage. 630 Häftlinge hätten zeitweilig monate- oder jahrzehntelange Haftstrafen abgesessen. Für 481 sei der Bau ausgelegt.

"Bedienstete und Gefangene begegnen sich hier auf Augenhöhe, feiern gemeinsam und sprechen abseits des Alltags miteinander", so Burlage.

Fünf Fußballmannschaften waren zum sportlichen Kräftemessen angereist, die Kicker der Justizvollzugsanstalt Münster gewannen den Pokal.

1970 sah Hans K. (Name geändert) zum ersten Mal ein Gefängnis von innen - er war 14. Er habe ein Faible für Autos gehabt -aber kein Geld. Er knackte Wagen, wurde erwischt und kam in Halle in Jugendhaft.

Vieles habe sich seitdem verändert, sagt der 48-Jährige. Die Beamten seien entspannter und nicht mehr so vieles reglementiert. "Wir durften nicht in Schlappen unter die Dusche, wegen Stolpergefahr und die Duschzeiten waren begrenzt." Heute könne jeder duschen, solange er wolle.

Jeder Häftling habe einen Fernseher und die meisten einen DVD-Player. 1984 kam Hans K. zum ersten Mal in die Justizvollzugsanstalt in Brackwede. Zwischendurch war er draußen, kam aber immer wieder in die JVA.

"Sich an das Leben draußen zu gewöhnen, fällt schwer." Im Gefängnis bekomme er alles, was er brauche, ob er arbeite oder nicht. Die Motivation, etwas zu tun, fehle, satt würde ohnehin jeder.

Sein Gehirn zu fordern, sei schwierig, die Arbeiten im Knast meist monoton. "Die Gefängnis-Bibliothek ist aber astrein ausgestattet", sagt K.

10.07.2004


 

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