Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede:  Weibliche Strafgefangene mussten bisher eingeschlossen brummen, 12.12.1985

 

Weibliche Strafgefangene mussten bisher eingeschlossen brummen, 12.12.1985

Weibliche Strafgefangenen mussten bisher eingeschlossen brummen, 40 offene Vollzugsplätze für Frauen im Außenlager nahe der Windflöte.

Freie Beschäftigungsverhältnisse möglich / Arbeitsplätze gesucht

Bielefeld. Ein Außenlager für Männer im Bereich Windflöte in Senne, nahe der ehemaligen Lungenheilstätte, das bisher zur Justizvollzugsanstalt Gütersloh gehörte, ist von der Justizvollzugsanstalt Bielefeld – Brackwede I angemietet worden. Dort entstehen derzeit 40 offene Vollzugsplätze für Frauen. Ab Januar sollen Straftäterinnen in das für weibliche Belange freundlich umgestaltete Gebäude Einzug halten. Ihnen stehen Aufenthaltsräume, ein Frisiersalon, ein Wasch – und Bügelzimmer, sowie zwei Teeküchen zur Verfügung.

Diese erfreuliche Mitteilung konnte gestern Anstaltsleiter Axel Dantz anlässlich einer Pressekonferenz machen. „Dafür haben wir aber auch lange gekämpft“, ergänzte der Anstaltsbeiratsvorsitzende Karl – Heinz Müller, Schachtmeister und Bezirksvorsitzender der IG Bau, Steine, Erden.

Hinter den dicken Mauern der JVA Bielefeld - Brackwede  I  gibt es derzeit 69 Haftplätze für Frauen. Bisher mussten auch Straftäterinnen dort sicher eingeschlossen einsitzen, die sich eigentlich – wie bei Männern allgemein üblich – für den offenen Vollzug eigneten: Frauen, die nur zwischen einem Tag und sechs Monaten abzubrummen haben oder nach längerer Bewährungszeit im geschlossenem Vollzug bald zur Entlassung anstehen. Sie erhielten in Ummeln bisher zwar auch einen „fingiert“ offenen Status mit mehr Urlaub und Ausgang an zwei Wochenenden, blieben tags über aber hinter Gittern.

Im echten offenen Vollzug in Senne haben die Frauen die Chance, ein „freies Arbeitsverhältnis“ einzugehen. Sie schließen selbst den Arbeitsvertrag ab und werden von den Arbeitgebern nach Tarif bezahlt. Einen Teil des monatlichen Einkommens erhält das Land für Unterkunft und Verpflegung. Mit dem Rest können die Straftäterinnen ihre durch Prozeß und Wiedergutmachung oft beträchtlichen Schulden abzahlen, zum Unterhalt ihrer Familie beitragen oder auch Rücklagen bilden.

Einige Arbeitsplätze stehen – so Axel Dantz – schon in Aussicht, weitere werden gesucht. Vielleicht würden ja in der Landwirtschaft in der Umgebung des Außenlagers oder in Industriefirmen noch weibliche Hilfskräfte benötigt. Nach seiner Auskunft hat es in Nordrhein – Westfalen bisher nur etwas zwei Dutzend offene Vollzugsplätze für Frauen gegeben – und zwar in der Anstalt Willich. Dort wurde erheblich aufgestockt. Zusammen mit den 40 neuen Plätzen in Bielefeld kommt das Land künftig auf 120 Plätze im offenem Vollzug für Frauen. Im gesamten übrigen Bundesgebiet sind es nur ganze 50.

Das neue Außenlager gilt als Ableger der Frauenabteilung der JVA Bielefeld – Brackwede  I. Acht zusätzliche Stellen für weibliche Vollzugsbedienstete wurden dafür von Düsseldorf bewilligt. Sie werden rund um die Uhr in drei Schichten zum Einsatz kommen.

 Bielefelder Tageblatt   am  12.12.1985


 

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