Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede:  In der JVA brummen künftig die ganz schweren Jungs, 13.12.1985

 

In der JVA brummen künftig die ganz schweren Jungs, 13.12.1985

In der JVA Ummeln brummen künftig die ganz schweren Jungs.

Mehr Probleme, aber weniger Personal / Immer noch kein Arzt gefunden.

Bielefeld. In die Justizvollzugsanstalt (JVA) Bielefeld –  Brackwede  I  in Ummeln werden im neuen Jahr die ganz schweren Jungs Einzug halten. Durch eine Vollstreckungsplanänderung auf Landesebene ist die relativ neue Anstalt mit ihren besonderen Sicherheitseinrichtungen dazu ausersehen worden, künftig Männer aufzunehmen, die nach Abzug der Untersuchungshaft zwischen 18 Monaten und lebenslänglich sitzen müssen und deren Einweisungsverfahren in Hagen ergeben hat, dass sie „stärker kriminell gefährdet“ sind. Bisher hatte man es in Ummeln mit den leichteren Fällen zu tun – mit denen, die erstmals hinter Gittern gelandet waren und nicht länger als eineinhalb Jahre „gesiebte Luft“ atmen mussten.

Insgesamt stehen – so Anstaltsleiter Axel Dantz in einer Pressekonferenz – in seiner JVA 484 Haftplätze für Männer zur Verfügung, davon die Hälfte für Untersuchungsgefangene. Als U – Häftlinge werden auch Jugendliche ab 14 Jahren eingeliefert. Diese Zahl sei aber von 130 in Spitzenzeiten auf derzeit durchschnittlich 70 zurückgegangen, und die ganz kleinen Knirpse seien auch kaum noch darunter. Trotz U – Haft seien sie verpflichtet, am Schulunterricht teilzunehmen oder zu arbeiten. Unter anderem gebe es für sie eine Berufsvorbereitungsklasse.

Der Anstaltsleiter rechnet damit, dass hier durch die „kriminell gefährdeten“ Häftlinge auf seine Mitarbeiter im Vollzugsdienst zusätzliche Probleme zukommen werden; denn auch diese Strafgefangenen haben ein gesetzlich festgeschriebenes Anrecht auf Behandlungsvollzug. Nein, eine Personalaufstockung sei deswegen nicht genehmigt worden, vielmehr wirkten sich die Sparmaßnahmen des Landes im Personalbereich auch in der JVA aus. Man habe einen anerkannten Personalbedarf von 300 Mann, werde aber 1986 mit 270 Kräften auskommen müssen.

Seit vielen Jahren ist in Ummeln die Stelle eines Arztes zu besetzen. Ist dafür inzwischen ein Bewerber gefunden worden ? Axel Dantz: „Nein, die Ärzteschwemme macht sich bei uns immer noch nicht bemerkbar.“ Man habe aber einen Vertrag mit einem niedergelassenen Mediziner aus der Nachbarschaft abgeschlossen, der hinter Gittern Sprechstunden abhalte. Auf einen Berufskollegen, der bereit sei, sich verbeamten zu lassen, warte man bisher vergeblich.

Trotz hoher Arbeitslosigkeit in diesem Berufszweig ist es in Ummeln auch um die Psychologen nicht gut bestellt. Vier Stellen sind auf dem Papier vorhanden, zwei Leute müssen zur Zeit den gesamten Bedarf abdecken. Dazu gehören die besonders intensive Betreuung der Jugendlichen in Untersuchungshaft, die Beteiligung an vielen Entscheidungen rund um Urlaub und vorzeitige Entlassung von Strafgefangenen sowie die Durchführung von Eignungsprüfungen für den Nachwuchs im Vollzugsdienst. So ganz nebenbei müssen die beiden Psychologen auch noch den Bedarf in der benachbarten offenen Anstalt mit ebenfalls über 400 Haftplätzen abdecken.

Erfreut konnte Axel Dantz dagegen mitteilen, dass demnächst im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme ein zusätzlicher Sozialarbeiter seine Arbeit aufnehmen wird. Er soll sich speziell um die suchtkranken Häftlinge – und das ist ein großer Prozentsatz – kümmern.

Bielefelder Tageblatt  am  13.12.1985


 

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