Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede:  Hardrock hinter hohen Mauern, Sommerfest der Frauen in der JVA, 19.08.2006

 

Hardrock hinter hohen Mauern, Sommerfest der Frauen in der JVA, 19.08.2006

Hardrock hinter hohen Mauern

Sommerfest der Frauen in der JVA Brackwede / “Beatbox“ und Bauchtanz

Von Marc Heckert

Brackwede. Laute Rockmusik ist bei den Damen des geschlossenen Vollzuges in der Justizvollzugsanstalt Brackwede I nur einmal im Jahr zu hören: beim Sommerfest. Gestern wurde der Freistundenhof wieder zum Partygelände – für einen Nachmittag.

Wenn da nicht die fünf Meter hohe Betonmauer rund um den Garten wäre. Und der fast ebenso hohe Gitterzaun davor. Wenn das vierstöckige Gebäude nicht diese hässlichen schmalen Schlitzfenster hätte. Gäbe es all das nicht, sähe das Geschehen im Hof fast wie das Jahresfest irgendeiner Behörde aus – die Architektur öffentlicher Bauten aus den 70er Jahren unterschied sich nicht allzu sehr. Da stehen Partypavillons, da brutzeln Reibekuchen im Ölbad, da stehen Partygäste um Stehtische.

Doch es gibt die Gitter und die Stahltüren, und es herrscht wie auch sonst auf dem JVA-Gelände striktes Alkoholverbot. So trinken die Frauen Apfelschorle und Wasser. „Die wurden von Christinen- und Carolinenbrunnen gestiftet“, sagt Jürgen Taubert vom Betreuungsdienst.

Auch sonst lebt die Veranstaltung vom freiwilligen Engagement. Die Band spielt ohne Honorar, betont JVA-Mitarbeiterin Elke Holtmann. „Wir sind froh, dass ‚Beatbox’ wieder dabei ist.“ Die Rockgruppe von Pfarrer Matthias Blomeier – zugleich Vorsitzender des Anstaltsbeirates – sorgt mit ihren 20 Jahren Bühnenerfahrung schon zum vierten Mal für die schmissig-rhythmische Beschallung des Sommerfestes. Eine Premiere war dagegen die Bauchtanzvorführung von Insassen. „Wir machen das nicht professionell, nur aus Spaß an der Sache“, erklärte Nadine lachend. Acht Wochen hat die Gruppe geübt.

Das Sommerfest war bereits das fünfte. 2002 wurde erstmals gefeiert, nachdem der Innenhof während einer Arbeitstherapie zum Garten umgestaltet wurde. Ansonsten herrscht in der Anstalt nur noch vor Weihnachten einen Tag lang Feierstimmung. Dann ist es 18:30 Uhr. Das Fest ist vorbei. Etwas früher als das Sommerfest einer Behörde.

Neue Westfälische 19.08.2006


 

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