Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede:  Häftlinge immer agressiver, der Drogenhandel floriert, 1997

 

Häftlinge immer agressiver, der Drogenhandel floriert, 1997

Häftlinge immer aggressiver,  der Drogenhandel floriert  

Vollzugsbeamte warnen: OWL-Gefängnisse überbelegt

Bielefeld. Überbelegte Zellen, gewalttätige Häftlinge, Drogen: Alarm schlägt der Bund der Strafvollzugsbeamten (BSBD) angesichts der Probleme in den heimischen Gefängnissen. "Für 3500 Strafgefangene stehen in Ostwestfalen-Lippe nur rund 3200 Haftplätze zur Verfügung", rechnet BSBD-Landesvorsitzender Wilhelm Bokermann vor.

"Die Region schneidet Landesweit besonders schlecht ab", sagt der Mann aus Schloß Holte-Stukenbrock. So gebe es etwa in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede 1 481 Plätze für Männer, die mit über 600 Gefangenen belegt sein. In Bielefeld-Senne, mit 1058 Plätzen laut BSBD das größte Gefängnis Deutschlands, seien 1170 Häftlinge untergebracht, in Detmold (165 Plätze) 200 Gefangene. Bokermann: " Ein-Mann Zellen werden doppelt belegt". Das etwa die hochmoderne JVA Brackwede I bis zu 130 Prozent überbelegt ist, bestätigt auch Dieter Wendorff aus dem NRW-Justizministerium: " Wir haben in der Tat Probleme" Landesweit seien die Gefängnisse ( 17460 Haftplätze) zu fast 100 Prozent ausgelastet. Besserung erhofft sich Wendorff durch ein Gefängnis in Gelsenkirchen mit 500 Plätzen, das 1998 in Dienst genommen wird. Der Ministeriumssprecher weiter: Wir haben viel getan, etwa die Zahl der Bediensteten seit Anfang der 70er Jahre auf fast 8000 Beamte verdoppelt". Ein weiterer Personalschub sei aus Geldmangel nicht möglich.

Deutlich mehr Beamte im Strafvollzug fordert jedoch Bokermann: In NRW schieben die Bediensteten über 500000 Überstunden vor sich her." Und ihre Arbeit werde immer gefährlicher. "Die Gewaltbereitschaft nimmt zu, vor allem durch Gefangene aus dem ehemaligen Ostblock", so Bokermann. "Auch Mafia-Strukturen machen vor den Gefängnismauern nicht halt." Der Drogenhandel floriere, und allein durch Sprachprobleme erreichen wir über bis zu 40 Prozent der Häftlinge nicht mehr."


 

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