Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede:  Der Knast behält nicht jeden, 20.01.2000

 

Der Knast behält nicht jeden, 20.01.2000

Der Knast behält nicht jeden, durch Haftvermeidung 2,8 Millionen gespart.

Bielefeld-Brackwede (Kle.)

Die geschlossene Justizvollzugsanstalt (JVA) Bielefeld-Brackwede 1 behält längst nicht jeden, der dort per Haftbefehl eingeliefert wird. "Haftvermeindung" heißt das Prinzip, das in vergangenen Jahr 236 Frauen und Männer eine längere Verwahrung hinter Gittern und dem Land damit Geldausgaben von hoch gerechnet 2,8 Millionen Mark ersparte.

JVA-Chef Axel Dantz ist stolz über diese jüngste Bilanz. Natürliche gehe es nicht darum, möglicherweise Gewalttätern oder sonst wie als gefährlich eingeschätzte Menschen schnellstens wieder auf freien Fuß zu setzen, versicherte er. Aber oft ordnete der Haftrichter auch wegen kleinerer Delikte U-Haft an, um einem Abtauchen des Verdächtigen vorzubeugen. Dies geschehe zum Beispiel, wenn der Betreffende keinen festen Wohnsitz nachweisen könne oder beziehungslos zu sein scheine.

Durch die Recherchen und Bemühungen seiner Mitarbeiter, aber auch in enger Zusammenarbeit mit dem Sozialdienst Katholischer Männer, dem Evangelischen Gemeindedienst sei es gelungen, diese Haftgründe zu entkräften, oder aus der Welt zu schaffen. Oft gebe es doch noch enge Kontakte, und auch das Wohnungsproblem lasse sich lösen. 

1998 seien 95 Haftvermeidungen erreicht worden. Dantz: Für 1999 hatten wir uns vorgenommen, wenigstens die Zahl von 100 zu überschreiten; nun liegen wir noch wesentlich besser."

Knapp 150 Mark pro Tag kostet ein Haftplatz im Landesdurchschnitt. Die vorzeitige Haftentlassung bringen Entlastungen aber nicht nur für die betroffenen Menschen und für den Landeshaushalt, sondern auch für die übrigen Häftlinge und für die JVA-Mitarbeiter. Die 550 Plätze in der Ummelner Anstalt teilen sich derzeit immer noch 665 U- und Strafgefangene. Nach Auskunft von Dantz hatte er im vergangenen Jahr aber auch schon bis zu 730 unfreiwillige Gäste im Haus. Wegen der ständigen Überbelegung sind längst Freizeiträume in Hafträume umgewandelt und in Einzelzellen Doppelstockbetten aufgestellt worden. Eine Aufstockung des Personals kann der Anstalsleiter jedoch nicht vermelden.

NW vom 20.01.2000


 

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