Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede:  Ein Blick hinter Gitter, 3000 Gäste kamen, 20.08.2007

 

Ein Blick hinter Gitter, 3000 Gäste kamen, 20.08.2007

Ein Blick hinter die Gitter

3000 Gäste kamen zum Betriebsfest der Justizvollzugsanstalt Brackwede I
VON HEIKE PFAFF,  NW 20.08.2007

Brackwede. Eigentlich ist eine Hüpfburg nichts Besonderes. Doch auf dem Parkplatz zwischen den Justizvollzugsanstalten (JVA) Brackwede I und II steht sonst selten ein solches Spielgerät. Mit Spiel, Musik, Bratwurst und Klönschnack im Hafthaus zeigte sich die JVA Brackwede I am Samstag von einer ungewohnten gastlichen Seite. Mehrere tausend Besucher strömten an die Umlostrasse anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Behörde.

An der gelben Zellentür hängt ein Poster des sich räkelnden, halbnackten Models Carmen Electra. Das mit einem lila Plüschbezug geschmückte Klo steht direkt neben dem Bett. An der Wand prangen Motorradbilder und eine Postkarte, auf der zu lesen steht: „Hör nicht auf Mutti“. Mit Erlaubnis des für einen Tag anderswo untergebrachten Gefangenen dürfen die Besucher neugierige Blicke in seine privaten acht Quadratmeter werfen. Ein Jugendlicher sagt: „Die Zelle ist genau so groß wie mein Zimmer zu Hause“. Die 546 Gefangenen im geschlossenen Vollzug selbst wollen allerdings nicht von den Besuchern beguckt werden. Sie sind unter Verschluss und dürfen ausnahmsweise die Türspione von innen abkleben.

„Die Gefangenen haben ihr eigenes Sommerfest“, erklärt Verwaltungsleiterin Martina Schuchert, „die Männer feierten im Juni, das Fest für die Frauen kommt noch. Der Tag heute ist für die gegenwärtigen und ehemaligen Mitarbeiter gedacht, für deren Familien und die Nachbarn.“

Die Vollzugssachbearbeiterin und Gleichstellungsbeauftragte Elke Holtmann ergänzt: „Es gibt ja Menschen, die direkt an der Mauer der JVA wohnen, aber noch nie gesehen haben, was dahinter vor sich geht. Diejenigen haben heute die Gelegenheit, das zu ändern.

Das Angebot wird gerne angenommen: Kamen zur 25-Jahr-Feier noch rund 1.500 Besucher, sind es nun doppelt so viele. Sie umlagern den Bierstand, essen den Kuchen, den die Lehrküche für weibliche Gefangenen anbietet, informieren sich an den Ständen der Johanneswerk-Straffälligenhilfe und des Bethel-Stiftungsbereichs Integrationshilfen. Am besten kommt aber der ausgeschilderte Rundgang durch die JVA an. Die Besucher bestaunen den Fuhrpark mit den gepanzerten Bussen, schauen in die Hafthäuser, die Werkstätten, die Sporthalle, die Kleiderkammer, die Gemeinschaftsräume.

Im Mehrzweckraum kommt es zu Staus. Denn dort zeigt Amtsinspektor Rüdiger Borgstedt gefährliche Gegenstände, die den Gefangenen abgenommen worden sind. Neben einem Messer, das aus einer Toilettenbrille geschnitten wurde, sind Schlagringe, Versteck für Spritzbesteck und asiatische Schlaghölzer zu sehen.

Viele kreative Ideen sind dabei: ein Tauchsieder aus zwei Löffeln, ein dreiflammiger Ölbrenner, der mal eine Keksdose war, ein Schuh mit eingebautem Sägeblatt. „Bei der Eingangskontrolle piepste der Schuh, der andere nicht“, sagt Borgstedt, „und den, der piepste, haben wir denn geröntgt und das Sägeblatt gefunden.“

Immer wieder versuchen Gefangene auch, sich Drogen in die JVA schmuggeln zu lassen. Ein mit Marihuana und Heroin ausgestopftes Exponat, das aus Sicherheitsgründen nicht näher beschrieben werden soll, flog gerade vor 14 Tage über die Mauer. „Aber das war wohl terminlich schlecht abgesprochen, denn es landete vor den Füßen eines Justizvollzugsbeamten“, so Borgstedt.

Damit mehr Gefangene in Zukunft ihre Kreativität sinnvoller nutzen können, baut die JVA ab Ende des Jahres die Werkhallen aus. „Im Moment sind 22 Prozent der Inhaftierten nicht beschäftigt, und durch den Ausbau der Hallen auf 1.100 Quadratmeter wollen wir 80 neue Arbeitsplätze schaffen“, sagt Schuchert. 2,5 Millionen Euro wird der Anbau kosten. „Die Arbeit darin kann dann Mitte bis Ende 2008 beginnen.“

Betriebe, die in der JVA ihre Produkte fertigen lassen möchten, können mit der Leiterin der Arbeitsverwaltung, Katja Joost, unter ( (05 21) 4 89 62 70 Kontakt aufnehmen.


 

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