Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede:  Manchmal ist es ein Fußball, der fehlt

 

Manchmal ist es ein Fußball, der fehlt

Förderverein der JVA hat die Gefangenen, die Angehörigen und das Leben danach im Blick
Von Kerstin Sewöster (Text und Fotos)

Ummeln (WB). Viel passt nicht in das kleine Zimmer: ein Schaukelpferd, ein kleiner Tisch, ein Sofa. In dem Regal gibt es einige Bücher. Trotz der bescheidenen Ausstattung ist das Kinderzimmer in der Justizvollzugsanstalt in Ummeln der ganze Stolz von Anna-Maria Püster, Jörg Bade und Wilhelm Schulte Vor fünf Jahren gründeten sie den Verein für Gefangenenbetreuung Bielefeld bei der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede I. Der Förderverein hat sich bemüht, das Kinderzimmer für die jüngsten Besucher der JVA-Gefangenen ansprechend einzurichten. Drei bis vier Besuche im Monat sind erlaubt.

»Die öffentlichen Gelder fließen nicht mehr so«, erklärt Wilhelm Schulte die Gründungsinitiative. In Absprache mit der Anstaltsleitung wurde der Förder- und Betreuungsverein ins Leben gerufen. Derzeit zählt er zwölf Mitglieder. Ein Beitrag wird nicht erhoben. »Wichtig für unsere Arbeit sind die laufenden Spenden«, betont Schulte, der als Anstaltsseelsorger 486 Männer und 76 Frauen in der JVA Ummeln betreut.

Der Förderverein springt immer dann ein, wenn etwas fehlt. Gerade erreichte den Vorstand eine Bitte der Sportabteilung. »Zwei Schläger neu bespannen, ein neuer Schläger«, rechnet Schulte vor. Die Summe von deutlich unter 100 Euro kann aufgebracht werden. Große Sprünge kann der Förderverein nicht machen, aber darum geht es auch nicht. »Manchmal ist es ein Fußball, der fehlt«, sagt Schulte. Manche Häftlinge benötigen Kleidung, wenn sie entlassen werden. Schulte begleitet sie dann in die Bethel-Kleiderkammer.

Mit wenigen Mitteln wurde auch das Kinderzimmer hergerichtet. »Es gab natürlich ein Besuchszimmer für Kinder, aber das war schrecklich«, erklärt Anna-Maria Püster, die als Justizvollzugsbeamtin im Frauentrakt arbeitet. Die Einrichtung stammt aus zweiter Hand und wurde gespendet, betont Schulte die Sparsamkeit des Vereins. Das Projekt Spielzimmer hat für ihn große Priorität: »Ein Vater sollte Gelegenheit haben, mit seinem Kind auch mal auf dem Teppich liegen zu können. « Besuchszeit ist kostbar: Die Gefangenen dürfen drei bis vier Mal im Monat Besuch bekommen - jeweils für 40 Minuten.

Der Förderverein will auch die sozialen Bindungen der Gefangenen nach außen stärken, die allein auf sich gestellt sind. Und davon gibt es laut Justizvollzugsbeamten Bade einige. Die Aufgabe der Ehrenamtlichen, die regelmäßig zu Besuchen vorbeischauen und versuchen Zugang zu den Gefangenen zu bekommen, sei sehr wichtig. »Wir als Schlüsselträger können das nicht«, betont Bade. Dank Unterstützung des Fördervereins konnte jetzt ein erstes weihnachtliches Treffen zwischen Besuchern und Gefangenen organisiert werden. Im Mehrzweckraum, in dem auch Gottesdienste stattfinden, trafen sich Bewohner und Gäste bei Keksen und Kerzenschein.

Das Budget des Vereins ist schmal - und die Wunschliste ist lang: ein Sandsack zum Dampf ablassen, Farbe für den Innenhof oder zum Beispiel eine neue Teeküche. Bade, Püster und Schulte haben sich gewünscht, dass die Richter ihre Arbeit berücksichtigen und Geldstrafen dem Förderverein der JVA zukommen lassen. Doch dieser Wunsch blieb unerfüllt. Auch das Spendenaufkommen ist gering. Derzeit lebt der Verein von seinem Stammkapital. »Wenn das so bleibt, dann können wir in zwei Jahren dicht machen«, betont Schulte.

Dabei mangelt es den Mitgliedern nicht an Ideen, wie den Gefangenen auch bei der Entlassungsvorbereitung unter die Arme gegriffen werden könnte. Anna-Maria Püster würde zum Beispiel gerne das Thema Kochen wieder anbieten. »Wir haben einen Raum, wir haben gebrauchte Küchenmöbel, aber es fehlen uns Elektrogeräte. Wir brauchen dringend zwei Herde.« Kochen und Tischkultur gehören zu einem Leben in Freiheit dazu. »Aber das«, sagt Jörg Bade, »steht nicht im Strafvollzuggesetz.«

Artikel vom 29.12.2008 (Westfalen-Blatt)


 

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