Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede:  Deutscher Präventionstag

 

Deutscher Präventionstag

14. Deutscher Präventionstag am 8. und 9. Juni in Hannover „Solidarität leben – Vielfalt sichern“ HANNOVER.

Justizvollzug des Landes Nordrhein-Westfalen präsentiert Präventionsprojekte der JVA Bielefeld-Brackwede I

Auf dem Präventionstag präsentieren sich drei Kooperationsprojekte der JVA Bielefeld- Brackwede I mit freienTrägern der Straffälligenhilfe aus OWL

Im Projekt  „Ein Blick ? – Einblick !“ vermitteln Gefangene gefährdeten Jugendlichen authentisch die Folgen kriminellen Verhaltens und versuchen Anregungen zu einer veränderten Lebenshaltung zu wecken. Neu ist hierbei, dass nicht Fachleute wie Sozialarbeiter oder Pädagogen als Gesprächspartner der Jugendlichen auftreten, sondern Gefangene, die bereits in Sachen Kriminalität Karriere gemacht haben. Sie sind auch Töchter, Söhne, Mütter, Väter und sorgen sich um ihre Angehörigen außerhalb der Mauern. Normalerweise zur Tatenlosigkeit verdammt, wollen sie etwas tun, ihr Wissen und ihre Erfahrungen, die sie bisher nur ins Gefängnis gebracht haben, sinnvoll einsetzen und mit Jugendlichen, die die Schwelle zum Vollzug noch nicht überschritten haben, ins Gespräch kommen.
Die Besuche der Jugendlichen werden von den Gefangen und die begleitenden  internen und externen Fachkräften sorgfältig vor- und nachbereit. Es ist ein Präventionsprojekt mit doppelterWirkung, die Gefangenen setzen sich mit ihren bisherigen Verhalten auseinander, die Jugendlichen erhalten authentisch Informationen und bekommen Erfahrungen vermittet, die sie im Gefühlsbereich erreichen ohne den ansonsten oftmals erhobenen Zeigefinger: Knast ist nicht cool !

Mit dem Projekt „Haftvermeidung“ wird gemeinsam mit dem Kooperationspartnern „KIM-Soziale Arbeit e.V.“ und  dem „Stiftungsbreich Integrationshilfen der v. Bodelschwinghsche Anstalten Bethel“  dargestellt, wie durch gezielten Einsatz von Netzwerkressourcen der Straffälligenhilfe in OWL Untersuchungshaft vermieden und wie die Lebenslage von Menschen, die mit dem Strafrecht in Konflikt geraten sind, verändert werden kann. Es handelt sich sowohl menschlich durch Vermeidung von Untersuchungshaft als auch fiskalisch um ein Erfolgsprojekt, das auch vorn Staatsanwaltschaften und Richtern eine hohe Akzeptanz erfährt. Die Versagensquote( Menschen, die nach erfolgter Haftvermeidung nicht zur Gerichtsverhandlung erscheinen) liegt unter 1%. 2008 wurden 178 Inhaftierungen vermieden oder verkürzt, was eine Ersparnis von rd 750.000 € bedeutet. Vor diesem Hintergrund ist eine gerade erfolgte Mittelkürzung für das Projekt um 20 % bedauerlich bis unverständlich.

Im Zentrum des Projektes „Freiräume“ stehen Kinder inhaftierter Elternteile. Für Kinder ist es ein dramatisches Erlebnis, wenn ihre Väter  oder - seltener- Mütter inhaftiert sind. Sie erfahren Stigmatisierungen, Diskriminierung sowie soziale Benachteiligung außerhalb der Familie, z.B. in Kindergarten und Schule. Sozialer Halt und Sicherheit gehen verloren, Angst, Wut, Enttäuschung und Rückzug sind mögliche Folgen, die traumatische Auswirkungen annehmen können und zu Beeinträchtigungen in der Entwicklung führen.  Das Projekt in der Trägerschaft des evangelischen Gemeindedienstes Bielefeld unterstützt hier mit gezielten Angeboten Kinder und Familien. In der Vater-Kind-Gruppe im gefängnis werden durchschnittlich 20 Kinder erreicht. Die Wirkungen sind deutlich erkennbar. Die Inhaftierten Väter übernehmen Verantwortung, stellen sich den Fragen der Kinder und erkennen die Folgen ihrer Straffälligkeit. Insoweit ist die Maßnahme auch ein Beitrag zur tertiären Prävention. Die Kinder sind entspannter im Umgang mit den Vätern und entwickeln erkennbar Selbstvertrauen und Ich-Stärke.

Kongressbegleitend präsentieren sich mehr als 150 Projekte und Institutionen mit Ausstellungen, auf der DPT-Bühne und im Filmforum. Auch hier ist der Strafvollzug  des Landes Nordrhein- Westfalen mit einem Infostand zu den Projekten präsent.


 

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