Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede:  Tauziehen um den Frauenknast, 21.09.2006

 

Tauziehen um den Frauenknast, 21.09.2006

Tauziehen um den Frauenknast, 50 weibliche Strafgefangene sollen von der Senne nach Ummeln umziehen.

Von Thomas Kopsieker (NW 21.09.2006)

Bielefeld – Brackwede. Zoff hinter den Gittern des Frauenknastes gibt es nicht  nur im Privatfernsehen. Auch in real existierenden Gefängnissen kommt es gelegentlich zu Meinungsverschiedenheiten. In diesem Fall sind es nicht die Gefangenen, sondern die Leiter zweier benachbarter Anstalten, die einander vorübergehend nicht wirklich grün sind. Und worum geht es bei den Meinungsverschiedenheiten zwischen Robert Dammann und Uwe Nelle-Cornelsen? Wie bei vielen Streitigkeiten unter Männern natürlich um Frauen.

Seit 18 Jahren können Frauen in Bielefeld im offenen Vollzug ihre Haftstrafe absitzen. Offener Vollzug ist die lockerste Form der Gefängnishaft. Die Gefangenen müssen in der Regel nur die Nächte in ihren Hafträumen verbringen, tagsüber gehen sie zur Arbeit, nehmen an Therapien teil oder bereiten sich auf andere sinnvolle Weise auf ein straftatenfreies Leben nach der Haft vor.

Der offene Vollzug für weibliche Strafgefangene findet derzeit in der Außenstelle Senne der von Robert Dammann geleiteten Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede I statt. Untergebracht sind die knapp 50 Damen, zu denen junge Drogendealerinnen ebenso gehören wie betagte Betrügerinnen, in einem angemieteten ehemaligen Hühnerstall an der Karl-Triebold-Straße.

Damit wird demnächst Schluss sein. Wie mehrfach berichtet, ist die an der Zinnstraße gelegenen JVA Bielefeld-Brackwede II mit Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe von einem schäbigen Barackenlager in eines der modernsten Gefängnisse Deutschlands umgebaut worden. Dort sitzen etwa 400 Männer im offenen Vollzug ein. Nach NW-Informationen soll dieser schicke, von Uwe Nelle-Cornelsen geleitete Vorzeigeknast, 50 Gefangene an eine andere, sonst möglicherweise von Schließung bedrohte JVA abgeben.

Dann wäre in der JVA an der Zinnstraße Platz für die 50 weiblichen Gefangenen, der Mietvertrag für den alten Hühnerstall könnte gekündigt werden. Natürlich sollen die Frauen nicht gemeinsam mit den männlichen Gefangenen im großen Hafthaus untergebracht werden. Als ihr Domizil sollen die zurzeit als Freigängerunterkünfte genutzten ehemaligen Bedienstetenhäuser dienen.

Bis zu diesem Punkt sind sich die beiden Anstaltsleiter völlig einig. „Der Umzug der weiblichen Häftlinge von der Senne nach Ummeln wäre aus vollzuglicher Sicht und auch organisatorischen und finanziellen Gründen eine sinnvolle Maßnahmen“, sagen beide.

Der Konsens endet dort, wo es um die Zuständigkeit geht. Hier wird die Diskussion um die Zukunft des Frauenknastes zum Tauziehen. Robert Dammann möchte, dass die weiblichen Häftlinge auch künftig organisatorisch zu seiner Anstalt gehören, Nelle-Cornelsen vertritt die Ansicht, dass sie zu seinem Herrschaftsbereich gehören müssen, wenn sie auf seinem Gelände untergebracht sind.

Wie immer in solchen Fällen haben beide Seiten gute Argumente, die sie dem zuständigen Justizvollzugsamt in Hamm in ellenlangen Schriftsätzen mitgeteilt haben.

Auf Anfrage der Lokalredaktion bestätigt das Justizvollzugsamt zurzeit an einer Lösung gearbeitet wird. Offenbar hält man die Angelegenheit dort für so brisant, dass sie zur Chefsache erklärt wurde. Die letzte Entscheidung in Sachen Frauenknast wird also eine Frau fällen: Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter. Aus inoffiziellen Quellen war zu erfahren, dass sie zurzeit eine Lösung im Sinne Nelle-Cornelsens favorisiert.


 

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