Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede:  Nur eine JVA-Abteilung ist drogenfrei, 24.12.1999

 

Nur eine JVA-Abteilung ist drogenfrei, 24.12.1999

Nur eine JVA-Abteilung ist drogenfrei

Spürhunde der Polizei dürfen Häftlinge nicht beschnuppern         Von Regine Kleist

Bielefeld. Trotz hoher Mauern und intensiver Kontrollen: Auch in der geschlossenen Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede 1 gibt es Drogen. Das gesteht Anstaltsleiter Axel Dantz unumwunden ein. Nach dem Prinzip Hoffnung geht er allerdings davon aus, dass in seiner JVA in erster Linie weiche Drogen eingeschmuggelt werden, weil Heroin und Kokain für die meisten Gefangenen zu teuer wäre.

Mit Sicherheit drogenfrei ist, so der JVA Chef, nur eine einzige im Obergeschoss untergebrachte Abteilung. Alle Bewohner, darunter auch 15 Männer, die aus der Drogenszene aussteigen wollten, hätten freiwillig ihre Zustimmung gegeben, sich ständig durch Urinproben kontrollieren zu lassen. Insgesamt sei es aber nicht möglich, das einschleusen von Drogen zu verhindern; dafür kämen zu viele Besucher in die JVA. Es sei leicht möglich den Stoff am Körper zu verstecken, um ihn drinnen erst wieder hervor zu holen und weiter zu geben.

Natürlich sehe man, wie der JVA Leiter versichert, nicht einfach zu und lege die Hände resigniert in den Schoß. Mehrmals jährlich, in unregelmäßigen Abständen, würden aus Stukenbrock Polizeibeamte mit ihren Drogenhunden angefordert, um die Anstalt zu durchsuchen. Ein dicker Fund sein ihn allerdings bisher nicht gelungen.

Dantz ist dennoch sicher, das die Drogen in der JVA existieren: Wenn unsere Gefangenen das Bellen der Hunde hören, rauschen ganz plötzlich überall die Toilettenspülungen." Er hält solche Razzien dennoch für sinnvoll und effektiv, weil sie für Unruhe und für kurzfristige Verknappung des Stoffes sorgen.

Anstaltseigener Drogenspürhund macht kein Sinn

Das sich die Anstalt selbst einen Drogenspürhund anschaffe, habe keinen Sinn. Die Tiere dürften nach den Vollzugsvorschriften nämlich nur in Räumen und Schränken ihrer Arbeit nachgehen. Sie auch an Gefangenen herumschnuppern zu lassen, werde als ein Verstoß gegen die Menschenwürde gesehen.

NW vom 24.12.99


 

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