Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede:  Alle Artikel zur geplanten Geiselnahme Feb. 2008

 

Alle Artikel zur geplanten Geiselnahme Feb. 2008

Geiselnahme verhindert: Ministerin lobt Beamte

Ministerin_und_Leiter Robert Dammann, der Leiter der JVA Bielefeld-Brackwede, führt NRW-Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter durch das Gefängnis. Rechts das Haus 6, ein »Knast im Knast«. In diesem für Terroristen gebauten Gebäude war Jan Z. eingesperrt
Quelle: Westfalenblatt (Foto Markus Poch)

Häftlinge verurteilen Tat - Ärzte kämpfen um Auge eines Opfers

Von Christian Althoff (WB 22.02.2008)

Bielefeld (WB). Nach der vereitelten Geiselnahme in der JVA Bielefeld-Brackwede hat NRW-Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) die beteiligten Vollzugsbeamten gelobt.

»Sie haben vorbildlich reagiert!«, sagte die Ministerin gestern bei einem Besuch der Haftanstalt. Eine Stunde lang hatte sie dort mit der Leitung und Mitarbeitern gesprochen.

Wie berichtet, hatte Serienbankräuber Jan Z. (40) den beiden Beamten am Montag siedendes Wasser ins Gesicht geschleudert, als sie ihm Frühstück brachten. Dann war der Häftling mit einem Stuhlbein auf die Männer losgegangen. Trotz ihrer zum Teil schweren Verletzungen hatten die 51 und 54 Jahre alten Beamten den Häftling in seine Zelle zurückgedrängt und die Tür zugehalten, bis Verstärkung da war. Anstaltsleiter Robert Dammann sagte, fünf speziell ausgebildete Vollzugsbeamte hätten dann die Situation geklärt: »Der Häftling musste sich ausziehen und mit erhobenen Händen ans Fenster stellen. Erst dann sind die Beamten in die Zelle gegangen und haben ihn überwältigt.« Jan Z. habe die Anweisungen befolgt, weil er gewusst habe, dass sein Fluchtversuch gescheitert war.

Die Ministerin lobte das Vorgehen der Beamten als hochprofessionell und sagte, dass auch die psychologische Nachsorge gut funktioniere. »So eine Tat hinterlässt schließlich Spuren.«

JVA-Chef Robert Dammann erklärte, die versuchte Geiselnahme werde von vielen der übrigen 550 Häftlinge verurteilt. Sie hätten es klaglos hingenommen, als am Dienstag wegen Jan Z. Sportstunden und andere Freizeitangebote ausgefallen seien. »Wir mussten ihn zu einem Facharzt außerhalb des Gefängnisses bringen und benötigten viele Beamte, um ihn zu bewachen.« Jan Z. war verletzt worden, als nach der gescheiterten Geiselnahme in seiner Zelle einer von fünf selbstgebauten Sprengsätzen explodiert war. Bis heute steht nicht fest, woher die haushaltsüblichen Zutaten stammten. Das Ministerium hat eine Untersuchung eingeleitet.

»Das Wissen um den Bau der Sprengsätze muss der Gefangene bereits 2004 mit in die Haft gebracht haben, sagte Dammann. Denn in den vier Jahren bis heute habe Jan Z, keinen Kontakt zu anderen Häftlingen und auch keinen Besucher außer seinem Anwalt gehabt.

Strafverteidiger Andreas Kerkhof bestätigte gestern die extrem strikten Sicherheitsvorkehrungen im Fall seines Mandanten. Anfangs habe er sogar nur durch eine Glasscheibe mit Jan Z. sprechen dürfen. »Dagegen bin ich vor Gericht gezogen, und das OLG in Hamm hat mir Recht gegeben.«

Einer der Beamten, der am Montag vor allem Prellungen erlitten hatte, ist weiter krankgeschrieben zu Hause. Der zweite wird mit schweren Gesichtsverletzungen in einer Kölner Spezialklinik behandelt. »Die Ärzte sind vorsichtig optimistisch, dass sie sein linkes Auge retten können«, sagte die Justizministerin gestern. Das Auge war von siedendem Wasser getroffen worden.

 


Mein Eindruck ist nicht, dass hier alle zittern

Ministerin und Leiter Hinter Gittern: ]ustizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter ließ sich von JVA-Leiter Robert Dammann und den beteiligten Bediensteten über die vereitelte Geiselnahme unterrichten.
Quelle: Neue Westfälische (Foto Wolfgang Rudolf)

Justizministerin besucht JVA nach vereitelter Geiselnahme (NW vom 22.02.2008)

• Bielefeld-Ummeln. Die Chefin war voll des Lobes. "Hier ist bei einem sehr gefährlichen Ereignis optimal, hochprofessionell reagiert worden", meinte Justizministerin Roswitha Mülller-Piepenkötter. Drei Tage nach der vereitelten Geiselnahme in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede I besuchte die Ministerin gestern die JVA und sprach mit der Anstaltsleitung und den betroffenen Bediensteten.

"So ein Vorfall stellt auch für die Bediensteten eine erhebliche psychische Belastung dar", so Müller-Piepenkötter, "ich habe aber nicht den Eindruck, dass hier jetzt alle zittern". Es habe sich einmal mehr gezeigt, wie wichtig eine gute Ausbildung im Bereich Sicherheit sei. "Wir haben hier eine Gruppe von Kollegen, die speziell für solche Situationen geschult sind", berichtet JVA-Leiter Robert Dammann.

Fünf Mitglieder dieser Gruppe haben den Geiselnehmer nach dem Angriff auf zwei Vollzugsbeamte noch in seiner Zelle überwältigt. Der 40jährige Schwerverbrecher erlitt Brandverletzungen an Hals und Hand als er einen seiner selbst gebastelten Sprengsätze versehentlich zündete. Er liegt jetzt im Justizkrankenhaus Fröndenberg.

Laut Dammann wird er nach seiner Genesung in eine andere Justizvollzugsanstalt verlegt. Der bei dem Angriff durch kochendes Wasser schwerverletzte Beamte wird in einer Spezial- Augenklinik behandelt. "Es gibt inzwischen vorsichtig optimistische Aussagen, dass sein Augenlicht doch erhalten bleibt", teilte die Justizministerin mit.


BIELEFELD: Bombenzutaten gibt es in jedem Haushalt

Haftraumtür Als am Montag ein Justizvollzugsbeamter die Zellentür öffnete, wurden er und sein Kollege angegriffen.
Quelle: Neue Westfälische (FOTO Christian Weische)
Ummelner Geiselgangster jetzt im Justizkrankenhaus (NW 21.02.2008)

VON THOMAS KOPSIEKER

 Bielefeld. Wie konnte dieser als besonders gefährlich eingestufte Mann in seiner Zelle im Hochsicherheitstrakt der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede I unbemerkt Bomben bauen und sich einen Schlagstock basteln? Diese Frage beschäftigt seit dem dramatischen und folgenschweren Fluchtversuch eines Schwerverbrechers die Justiz, die Polizei, aber auch die Öffentlichkeit.

Wie berichtet, hatten Polizeibeamte nach dem brutalen Angriff des 40-Jährigen auf zwei Justizvollzugsbeamte in dem durch eine gelbe Stahltür gesicherten Einzelhaftraum unter anderem fünf Sprengsätze gefunden. Mittlerweile gilt als sicher, dass der Häftling sich mit einer Geiselnahme den Weg in die Freiheit erpressen wollte.

Laut Anstaltsleiter Robert Dammann ist auszuschließen, dass der Verbrecher bei seiner Tat von Komplizen unterstützt wurde. "Er hat weder Besuche empfangen, noch irgendwelche Kontakte zu Mitgefangenen gehabt", so Dammann. Auch wenn die genaue Zusammensetzung des Sprengstoffs noch nicht bekannt sei, stehe fest, dass ausschließlich Bestandteile verwendet wurden, die es in jedem deutschen Haushalt gibt. Dammann: "Es kommt dabei nur auf das Mischungsverhältnis an". Unklar ist, woher der angeblich hochintelligente Häftling das Rezept für die explosive Mischung hatte. "Ihm steht kein Computer mit Internetanschluss zur Verfügung", betont der JVA-Chef.

Viel Zeit kann die Herstellung der Sprengsätze nicht in Anspruch genommen haben. Die Zelle wurde laut JVA-Leitung dreimal in der Woche durchsucht. Gestern Morgen wurde der Häftling mit einem Hubschrauber in das Justizkrankenhaus Fröndenberg geflogen.


Häftling baut in der Zelle fünf Bomben

Beobachtungskanzel Die JVA Bielefeld ist eines der sichersten Gefängnisse Deutschlands. Hier ist der Serienbankräuber Jan Z. seit 2004 eingesperrt.
Quelle: Westfalen-Blatt (Foto Markus Poch)
Versuchte Geiselnahme: Täter schweigt, verletzter Vollzugsbeamter in Spezialklinik verlegt

Von Christian A l t h o f f

B i e l e f e l d (WB). In der Zelle des Serienbankräubers Jan Z. (40) haben Polizisten fünf selbstgebaute Sprengkörper entdeckt. Z. hatte am Montag offenbar versucht, in der JVABielefeld-Brackwede mindestens einen Vollzugsbeamten als Geisel zu nehmen, um seine Freilassung zu erpressen.

Wie berichtet, hatte Jan Z. Montagmorgen um 6.05 Uhr zwei Beamte angegriffen, als sie seine Zellentür öffneten, um ihm Frühstück zu bringen. Der Häftling hatte den 51 und 54 Jahre alten Männern aus zwei aufgeschnittenen Tetra-Packs siedend heißes Wasser ins Gesicht geschleudert und war dann mit einem Stuhlbein auf seine Opfer losgegangen. Weil der 40-Jährige in diesem Moment auf der Wasserlache ausgerutschtwar, konnten ihn die Beamten in die Zelle drängen und die Tür von außen zuhalten, bis Verstärkung da war. In diesem Moment kam es in dem Haftraum zu einer Verpuffung: Einer von fünf Sprengsätzen, die Jan Z. gebastelt hatte, war aus noch ungeklärter Ursache hochgegangen und hatte den Häftling an der linken Hand, am linken Arm sowie an Brust und Hals leicht verletzt. Z. wurde auf der Krankenstation behandelt und dann in eine Gummizelle gesperrt.

Die Kripo Bielefeld forderte einen Experten des Landeskriminalamtes an, nachdem sie die Sprengsätze in der Zelle entdeckt hatte. Eine Sprecherin des LKA sagte gestern, die Vorrichtungen würden jetzt in Düsseldorf von einem Chemiker untersucht. Aus Sicherheitskreisen wurde bekannt, dass es sich um Dosen handeln soll, in die Jan Z. Zucker, Graphit, Glasscherben und möglicherweise weitere Stoffe gemischt haben soll. In seiner Zelle wurden zudem Schlingen entdeckt, die er aus Streifen seines Bettlakens geknotet hatte. »Wir nehmen an, dass er damit den Geiseln die Sprengsätze um den Hals hängen wollte«, sagte der stellvertretende JVA-Leiter Oliver Burlage.

Wie Jan Z., der jede Aussage verweigert, an das Material für die Sprengsätze gekommen ist und warum die Zutaten bei der regelmäßigen Kontrolle der Zelle nicht aufgefallen sind, wird untersucht. Burlage sagte, Jan Z. sei einer der am schärfsten bewachten Häftlinge in NRW. »Seit er im April 2004 zu uns gekommen ist, sitzt er in Einzelhaft. Er wird nur in Handschellen durchs Haus geführt, hat keinen Kontakt zu anderen Gefangenen und wird beim Duschen von mehreren Beamten bewacht.

«Jan Z. – wer ist dieser Gewalttäter? Als Sohn eines Lehrer-Ehepaares in Hamburg geboren verliert er mit acht Jahren seine Eltern: Der gewalttätige Vater erschießt die Mutter und nimmt sich das Leben. Nach Problemen mit den Stiefeltern landet der Junge in Internaten und Heimen. Z. wird straffällig. Als er 19 ist, beginnt er ein Betriebswirtschaftsstudium, überfällt dann aber mit drei Komplizen 15 Banken, manchmal zwei am Tag. Die Männer tragen lange Staubmäntel im Westernlook und Maschinenpistolen. Zwei Millionen Mark erbeutet die MP-Bande, wie die Polizei sie nennt. Jan Z. wird zu neun Jahren Jugendhaft verurteilt, kommt in die JVA Herford. Hier beginnt er eine Ausbildung zum Tischler und versucht 1990 zu fliehen: Er schlägt im Furnierlager einen Vollzugsbeamten (60) mit einem Eisen nieder. Der Mann kann im Fallen den Alarm auslösen. Jan Z. erkennt die Ausweglosigkeit und reagiert blitzschnell: Er reißt ein Kabel von der Wand und knotet eine Schlinge. Im Prozess erzählt er später, er habe sich im Furnierlager das Leben nehmen wollen, sei von dem Ausbilder überrascht worden und habe den Mann deshalb niedergeschlagen. Jan Z. bekommt weitere neun Monate aufgebrummt. Der Vollzugsbeamte hat dauerhafte Gesundheitsschäden erlitten und wird frühpensioniert.

Nach seiner Entlassung 1996 überfällt Z. zwei Banken, wird gefasst und zu fünfeinhalb Jahren verurteilt. 2002 kehrt er aus einem Hafturlaub nicht zurück, kurz darauf beginnt eine Banküberfallserie. Zielfahnder des LKA haben es schwer. Der Mann, dem ein Gutachter einen IQ von 135 bescheinigt hat, nutzt kein Handy, kein Auto, keine EC-Karte. Erst als herauskommt, dass Z. sich nach Überfällen per Bahn absetzt, kann er 2003 auf dem Bahnhof Duisburg gefasst werden. Aus der U-Haft lässt er sich 2004 wegen einer Beinverletzung ins Justizkrankenhaus Fröndenberg verlegen, versucht von dort zu fliehen. 2005 verurteilt ihn das Landgericht Düsseldorf wegen 14 Überfällen zu zwölf Jahren Haft und Sicherungsverwahrung.

»Seit er bei uns ist, hat er kaum ein Wort gesprochen«, sagt der stellvertretende JVA-Leiter Oliver Burlage. Die Beamten, die Jan Z. angegriffen hatte, kannte er kaum. Einer der Männer ist von dem siedenden Wasser so schwer verletzt worden, dass er gestern in eine Spezialklinik nach Köln verlegt werden musste. Ob Ärzte das linke Auge des Beamten retten können, ist noch ungewiss.

 


BIELEFELD: Häftling bastelt Sprengsätze

JVA_NW Ausbruchsversuch vereitelt
Quelle: Neue Westfälische, Christian Weische
Geiselnahme in JVA Ummeln vereitelt (NW online 20.02.2008)

Bielefeld (ddp). Über den Fluchtversuch aus der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede sind neue Einzelheiten bekannt geworden. Offenbar wollte der Häftling einen der JVA-Mitarbeiter in seine Gewalt bringen und sich mit vier bis fünf selbst gebastelten Sprengsätzen einen Weg in die Freiheit erpressen, sagte der stellvertretende JVA-Leiter Oliver Burlage am Dienstag.

Der Mann ist jedoch überwältigt worden, sagte Burlage. Ein Beamter und der Häftling wurden verletzt, wie die Neue Westfälische bereits berichtete.

Bei der Ausgabe des Frühstücks schleuderte der 41 Jahre alte Insasse den Angaben zufolge zunächst kochendes Wasser auf zwei Vollzugsbeamte. Dann versuchte er, die Männer mit einem Stuhlbein niederzuschlagen. Weil der Häftling dabei auf dem Wasser ausrutschte, konnte er überwältigt werden.

Bei den Sprengsätzen handelte es sich vermutlich um eine Mischung "handelsüblicher Substanzen", deren Sprengkraft nicht besonders groß gewesen sei, die aber eine große Hitze entwickelt hätten. Bei dem Angriff auf die Vollzugsbeamten explodierte offenbar einer der Sprengsätze in der Hand des Häftlings. Dabei wurde der 41-Jährige verletzt.

Der Mann war wegen einer Serie von Banküberfällen zu zwölf Jahren Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden.

Einer der Vollzugsbeamten erlitt bei dem Angriff schwere Verbrühungen im Gesicht. Der andere kam mit Prellungen davon.


Bielefelder Häftling besaß fünf Sprengsätze

JVA_WB Die Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede ist eines von fünf besonders gesicherten Gefängnissen in Nordrhein-Westfalen. Foto:
Quelle: Westfalenblatt Bielefeld, Stefan Hörttrich
Von Christian Althoff (WB online 19.02.2008)

Bielefeld (WB). Der Häftling, der am Montag in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede I versucht hatte, Vollzugsbeamte als Geiseln zu nehmen, besaß fünf selbsthergestellte Sprengsätze. Das bestätigte der stellvertretende JVA-Leiter Oliver Burlage dem WESTFALEN-BLATT.

»Für uns steht fest, dass der Gefangene mindestens einen Beamten in seine Gewalt bringen und mit Hilfe der Sprengkörper seine Freilassung erpressen wollte«, sagte Burlage. Der Serienbankräuber, der 2005 zu zwölf Jahren Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden war, hatte am Montag zwei Beamten siedendes Wasser ins Gesicht geschleudert und war dann mit einem Stuhlbein auf die Opfer losgegangen.

Weil der Häftling auf dem Wasser ausgerutscht war, konnte er überwältigt werden. Burlage sagte, für diesen Häftling habe vom ersten Tag an die höchste Sicherheitsstufe gegolten. Jetzt werde untersucht, wie er sich die Sprengkörper habe bauen können. Die Polizei lässt jetzt die Zusammensetzung der Sprengladungen untersuchen.


Geiselnahme in JVA gescheitert: Beamte verletzt

Von Christian Althoff (WB vom 19.02.2008)

Bielefeld (WB). Versuchte Geiselnahme in der JVA Bielefeld-Brackwede I: Ein Bankräuber, der lange als meistgesuchter Verbrecher Deutschlands galt, hat am Montag zwei Vollzugsbeamte mit siedendem Wasser angegriffen und schwer verletzt.

Jan Z. (39) gilt als »König der Bankräuber«. Lange stand er auf Platz 1 der BKA-Fahndungsliste, bevor er 2003 gefasst wurde. Im besonders gesicherten Haus 6 der Justizvollzugsanstalt Bielefeld sollte er seine Strafe absitzen, zu der ihn das Landgericht Düsseldorf 2005 wegen 14 Raubüberfällen verurteilt hatte: zwölf Jahre Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung.

Am Montagmorgen gegen 6.05 Uhr hatten zwei Vollzugsbeamte die Zellentür aufgeschlossen, um Jan Z. das Frühstück zu bringen. Robert Dammann, Leiter der Haftanstalt: »Der Gefangene stand unmittelbar hinter der Tür und hatte die Beamten erwartet. Er hielt in jeder Hand ein Tetra-Pack, dessen Oberseite er abgeschnitten hatte. Diese leeren Milchverpackungen hatte der Häftling mit heißem Wasser gefüllt.«

In jenem Moment, in dem die Beamten die Tür öffneten, schleuderte Jan Z. ihnen das Wasser entgegen, das er kurz zuvor mit einem Teekocher heiß gemacht hatte. Dann griff er zu einem Stuhlbein und schlug zu. Robert Dammann: »Eines der Opfer wurde von dem heißen Wasser direkt ins Gesicht getroffen. Der andere Mann konnte sich im letzten Moment wegdrehen, wurde aber von dem Stuhlbein erwischt.«

Weil Jan Z. in diesem Moment auf dem Wasser ausrutschte, gelang es den Beamten, ihn festzuhalten, bis Verstärkung eintraf. Jan Z. wurde in eine Gummizelle gesperrt. Die Kripo Bielefeld hat Ermittlungen in der JVA aufgenommen, Z. soll sich aber nicht zu dem Angriff geäußert haben. Die Vollzugsbeamten sollen Zufallsopfer geworden sein, einen Streit zwischen ihnen und dem Häftling soll es nicht gegeben haben.

Ermittler schließen deshalb nicht aus, dass Z. mindestens einen Beamten als Geisel nehmen wollte, um seine Freilassung zu erpressen. »Als Häftling mit anschließender Sicherungsverwahrung hat er ja nichts zu verlieren«, sagt ein Polizist. Bis heute hat Jan Z. nicht verraten, wo der Großteil seiner Beute von 340 000 Euro versteckt ist.

Mit einem IQ von 135 gilt Jan Z. als hochintelligent, er soll sechs Sprachen sprechen. Schon als 19-Jähriger hatte er als Mitglied der sogenannten MP-Bande 15 Banken überfallen und musste neun Jahre Jugendstrafe absitzen. Dabei hatte er in der JVA Herford einen Beamten angegriffen und schwer verletzt. 2004, als Z. auf seinen Prozess in Düsseldorf wartete, hatte er sich wegen einer Beinverletzung aus der U-Haft ins Gefängniskrankenhaus nach Fröndenberg (Kreis Unna) verlegen lassen.

Dort war ihm der Ausbruch mit Hilfe von 20 Diamantfeilen gelungen, die er in die Klinik geschmuggelt hatte. Z. wurde gefasst, als er die fünf Meter hohe Außenmauer des Krankenhausgeländes überklettern wollte.

Ein Polizist sagte am Montag, seitdem gelte für Z. die oberste Sicherheitsstufe: »Es besteht die Anweisung, ihn mit einem Spezialeinsatzkommando zu bewachen, sollte er einmal zu einem Arzt außerhalb des Bielefelder Gefängnisses müssen.«

Der Beamte, der von dem Stuhlbein getroffen wurde, ist krankgeschrieben zu Hause. Sein Kollege liegt mit Gesichtsverbrennungen im Krankenhaus.


BIELEFELD: Häftling verbrüht zwei Wärter

JVA_NW Ausbruchsversuch vereitelt
Quelle: Neue Westfälische, Christian Weische

Fluchtversuch in JVA Ummeln vereitelt (NW online vom 19.02.2008)

Bielefeld (tok). Ausbruchsversuch in der Bielefelder Justizvollzugsanstalt im Ortsteil Ummeln. Am Montagmorgen hat ein 41 Jahre alter Häftling zwei Wärtern kochendes Wasser ins Gesicht geschüttet und dann mit einem selbstgebastelten Schlagstock auf sie eingeprügelt.

Bei der Flucht rutschte der wegen Bankraubs verurteilte Verbrecher auf den Wasserresten aus und stürzte. Die beiden Wärter und ihre Verstärkung konnten den Gefangenen überwältigen und den Fluchtversuch vereiteln.

Einer der Justizbeamten musste mit schweren Verbrühungen ins Bielefelder Krankenhaus eingeliefert werden.


Mit kochendem Wasser Aufseher attackiert.

Gewaltsamer Fluchtversuch im Gefängnis vereitelt.(NW vom 19.02.2008)

Von Thomas Kopsieker

Bielefeld-Ummeln. Ein Häftling der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede I an der Umlostraße hat gestern einen gewaltsamen Fluchtversuch unternommen. Dabei wurden zwei Justizbedienstete verletzt, einer von ihnen schwer. Der dramatische Vorfall hat sich gegen 6 Uhr im Hafthaus 6, dem so genannten Hochsicherheitstrakt ereignet. Hier sind fast ausschließlich als besonders gefährlich eingestufte Schwerverbrecher untergebracht. Einer der Häftlinge ist Holger X. (Name geändert). Der zig-fach vorbestrafte 41-Jährige wurde wegen Bankraubes zu zwölf Jahren Haft verurteilt, von denen er erst zwei Jahre abgesessen hat. Auch wenn die Haftzeit 2018 offiziell endet, wir Holger X. nicht entlassen. Wegen der Schwere seiner Tagen und der vielen Vorstrafen hat das Gericht für hin die Sicherungsverwahrung angeordnet, was in der Regel lebenslänglich bedeutet. Möglicherweise war es diese Aussicht, die den Verbrecher zu seinem ebenso brutalen wie aussichtslosen Fluchtversuch veranlasst hat.

Als zwei Gefängniswärter gestern Morgen, gegen 6 Uhr, kamen, um ihm das Frühstück zu bringen, wartete Holger X. bereits hinter der Zellentür auf sie. In den Händen hielt er aus Tetrapacks gebastelte Becher mit kochend heißem Wasser. „Die meisten Gefangenen habe in ihren Hafträumen Heißwasserzubereiter“, erläutert JVA-Leiter Robert Dammann. Als die beiden 51 und 53 Jahre alten Justizbediensteten die Tür öffneten, schüttete der Häftling ihnen das heiße Wasser ins Gesicht. „Einer der Beamten bekam die Ladung voll ins Gesicht, sein Kollege, der etwas seitlich gestanden hatte, bekam nur einen Teil ab“, so Dammann. Dann stürmte der Gefangene aus seiner Zelle und prügelte mit seinem aus einem Stuhlbein gebastelten Knüppel auf die Beamten ein. Plötzlich rutschte der Mann auf den Resten des verschütteten Wassers aus. Er verletzte sich nur leicht. Trotz ihrer Verletzungen schafften es die Wärter, den Verbrecher zu überwältigen und den Alarmknopf zu drücken. Erst als Verstärkung herbeigeeilt war, gelang es, den Tobenden einzuschließen. Eine Stunde später wurde er von bewaffneten Justizbeamten in einen sogenannten Sonderhaftraum verlegt. „Der Volksmund nennt das Gummizelle“, so Dammann. Was Holger X. mit seiner Tat erreichen wollte, ist der Gefängnisleitung ein Rätsel. „Er wäre hier doch nie rausgekommen“, ist der JVA-Leiter überzeugt.

 



 

Druckvorschau in neuem Fenster öffnen   zum Seitenanfang gehen