Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede:  Kein Alkohol und keine Männer beim Sommerfest im Frauenknast

 

Kein Alkohol und keine Männer beim Sommerfest im Frauenknast

VON THOMAS KOPSIEKER

Brackwede. Wenn die Diebin und die Betrügerin bei Frankfurter Kranz und Kaffee einen kleinen Plausch halten, und gleichzeitig die Mörderin mit der Drogendealerin ein Tänzchen wagt, dann ist Party-Time im Frauenknast. Gestern war es wieder soweit. Im Innenhof der Frauenabteilung der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede I feierten Gefangene und Bedienstete ihr schon traditionelles Sommerfest.

Die Gartenparty nach dem Motto „Umsonst und drinnen“ unterschied sich kaum von ähnlichen Festivitäten in Freiheit. Man hatte Biergartenbänke und Pavillons aufgestellt und partymäßig dekoriert. Auf einem Grill bruzzelten verführerisch duftende Bratwürstchen, und für den guten Ton in Form von Rock- und Popmusik sorgte eine Liveband.

Die Band, Beat-Box hieß sie und spielte nicht zum ersten Mal den Jailhouse-Rock. Bandleader und Sänger der Band ist Pastor Matthias Blomeier, der lange in der JVA für seelischen Beistand gesorgt hat und dafür bekannt ist, mit immer neuen Ideen, Spenden für wohltätige Zwecke aufzutreiben.

Die Band kam hervorragend bei den Gästen an. „Die sind richtig gut, der Typ singt ja wie Mick Jagger“, lobte die 40-jährige Bettina B. Die Hausfrau verbringt einen 27-monatigen Aufenthalt hinter  Gittern. „Wegen Urkundenfälschung“, verrät sie. Katja X. hat bereits vier Jahre im Frauenknast hinter sich und noch etliche vor sich. Die attraktive 43-Jährige war auf der Party für die Kuchenausgabe zuständig. „Ich habe hier eine Ausbildung zur Köchin gemacht und den ganzen Kuche selbst gebacken“, sagt sie. Die Ausbildung scheint gut gewesen zu sein. Käsesahnekuchen, Donauwellen und auch die Kalorienbombe Frankfurter Kranz fanden reißenden Absatz. Die Party lief nach dem All-Inclusive-Prinzip. „Die Frauen mussten drei Euro Eintritt bezahlen, damit sind dann die Getränke, die Würstchen und der Kuchen bezahlt“, erläutert Vollzugssachbearbeiterin Elke Holtmann, die das Fest jetzt bereits zum 7. Mal organisiert hat. In zwei entscheidenden Punkten unterschied sich die Party im Frauenknast von Feiern „draußen“. Es gab keinen Tropfen Alkohol und – bis auf die Angestellten – keine Männer. Die Stimmung konnte das kaum trüben. „Mit Kerlen gibt’s doch eh nur Stress“, sagt Diebin Svenja D. mit einem Augenzwinkern.

© 2008 Neue Westfälische

Bielefelder Tageblatt (MW), Samstag 13. September 2008


 

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