Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede:  Ein Blick hinter die Mauern, 09.07.2002

 

Ein Blick hinter die Mauern, 09.07.2002

Ein Blick hinter die Mauern, Familientag für Angehörige der Bediensteten in der JVA Bielefeld-Brackwede I

Bielefeld - Brackwede. "Ich habe heute mindestens Hundert Mal gehört, wie ein Schlüssel im Schloss herumgedreht wurde", staunte ein Besucherin beim Familientag in der geschlossenen JVA BiBra I. Einen Tag lang war es für rund 1.800 Angehörige der Justizvollzugsbeamten möglich, einen Blick hinter die 5,50 Meter hohen Mauern der Anstalt zu nehmen.

"Dieses Fest ist ein großer Erfolg", freute sich Manfred Schniedermeier, stellvertretender Leiter des allgemeinen Vollzugsdienstes und Mitglied im Organisationsteam. "So ruhig und harmonisch, wie hier alles abläuft, trägt das Fest dazu bei, dass alle Berufsgruppen der Beschäftigten näher zusammenrücken und dass die Kollegialität gestärkt wird."

Neben Angehörigen der Beamten waren auch Nachbarn der Anstalt eingeladen worden. "Durch eine solche Öffnung werden Wogen geglättet", so Schniedermeier. "Nicht jeder ist begeistert, eine JVA in der Nachbarschaft zu haben. Aber wenn die Möglichkeit besteht, sich alles mal aus der Nähe anzuschauen, werden Unsicherheiten und Vorurteile abgebaut."

Nach einem langen Weg durch unzählige Schleusen erwartet die Besucher in Inneren der Anstalt eine Ausstellung mit sicher gestellten Waffen oder anderen unerlaubten Gegenständen, die bei Kontrollen in den Zellen gefunden wurden. "Es ist beeindruckend, wie kreativ die Gefangenen werden", sagte Manfred Schniedermeier.

"Ein funktionsfähiges Tätowiergerät aus einem Rasierapparat zu bauen oder eine Stichwaffe aus dem Hartplastik eines Toilettendeckels zu schnitzen - dazu gehört schon einiges". Auch der Fund von Betäubungsmitteln in eingeschweißten Wurstpackungen oder ähnlichem ist für die Beamten kein Brief mit sieben Siegeln.

Die Besucher in der JVA konnten beim Familientag kleine, von den Inhaftierten geschnitzte Skulpturen aus Holz oder Metall erstehen. "Das Geld fließt den Gefangenen wieder zu - zum Beispiel in Form von neuer Werkzeuge".

Sechs Langzeitgefangene hatten sich am Familientag bereit erklärt, ihre Zellen für die Besucher zu öffnen. Die Gäste waren erstaunt über so viel Wohnlichkeit auf 7,5 Quadratmetern. Von der Gemütlichkeit der Zellen waren zwar alle überrascht, aber keiner wollte freiwillig bleiben

Quelle: Neue Westfälische Zeitung vom 09.07.2002


 

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