Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede:  Jailhouse - Rock in Brackwede, 16.09.2002

 

Jailhouse - Rock in Brackwede, 16.09.2002

Jailhouse - Rock in Brackwede, "Orchester Gnadenlos" spielte hinter Gittern

Bielefeld - Brackwede. "So als Altrocker steht man ja sowieso immer mit einem Bein im Knast", lacht Hannes Bauer. Der Leadgittarist von Udo Lindenberg sieht seinem Auftritt hinter Gittern also gelassen entgegen. Bauer hat sich mit seinem "Orchester Gnadenlos" vorgenommen, der Justizvollzugsanstalt Brackwede I musiktechnisch ordentlich einzuheizen. Jailhouse Rock ist also für die Inhaftierten aus dem geschlossenen Vollzug im Innenhof angesagt

Und die Jungs lassen es im Knast ordentlich krachen. Gitarrenrock vom Feinsten dröhnt den Häftlingen um die Ohren, die es am Ende jeden Stückes an lautstarkem Beifall, Pfiffen und Anfeuerungsrufen nicht mangeln lassen. Dazwischen sind sie mucksmäuschenstill und lauschen den von der Band selbst komponierten Songs wie dem "Laubfrosch - Blues" oder dem "Alte Autos und Rock` n Roll".

"Das ist immer so. Ich glaube, die freuen sich einfach mal was anderes als die gewohnten Gefängnisgeräusche zu hören", meint Hannes Bauer, der schon vor 20 Jahren die Insassen im berühmt - berüchtigten Hamburger Santa Fu mit Konzerten unterhalten hat. Ohne Gage, versteht sich, treten Hannes Bauer, Phillipe Candas (Schlagzeug) und Peter Kuhmstedt (Bass) in der Justizvollzugsanstalt auf.

"Wir mussten nicht lange überlegen, um zuzusagen", betont Bauer und erzählt, dass er ohnehin im Training ist. Erst vergangene Woche war er mit Udo Lindenberg in den neuen Bundesländern auf Tour und hat bei Benefizkonzerten Geld für die Opfer der Hochwasserkatastrophe gesammelt. "Der Auftritt hier ist also ein würdiger Abschluss", findet der badische Musiker aus der Nähe von Stuttgart.

Spaß am Rock im Innenhof haben nicht nur die Band, Insassen und Wachpersonal, sondern auch der stellvertretende Anstaltsleiter Oliver Burlage.

 "Wir möchten die Konzerte zu einer ständigen Einrichtung machen und sie auch in unsere Gefängnisarbeit konzeptionell mit einbeziehen", beschreibt Burlage die angedachten Pläne. Sicherheitsbedenken hat Burlage bei der Musikaktion nicht. "Wenn, dann hätten wir es gar nicht erst gemacht. Und außerdem liegt den Gefangenen ja selbst daran, dass es die Konzerte weiterhin geben wird", ist sich Burlage sicher.

Die These scheint zu stimmen. Die etwa 350 von insgesamt 570 Männern, die derzeit in der JVA Brackwede I inhaftiert sind, genießen ganz augenscheinlich die gnadenlose Darbietung der gleichnamigen Band, deren Bezeichnung natürlich von Deutschlands prominentesten Altrocker himself, Udo Lindenberg, stammt.

Am Ende des Konzerts schließen sich die Türen hinter den Gefangenen wieder. Das Orchester Gnadenlos darf selbstverständlich wieder in die Freiheit. Ein beklemmendes Gefühl hatten die Musiker nur bei ihrem ersten Gig in Fuhlsbüttel.

"Ich weiß ja, dass ich wieder rauskomme", meint Bauer und setzt bedauernd hinzu: "Nur mitnehmen kann ich die Jungs ja leider nicht . . ."

Quelle: Neue Westfälische Zeitung 16.09.2002


 

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