Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede:  Querschläger trifft Beamten bei Fluchtversuch eines Häftlings, 141/2002

 

Querschläger trifft Beamten bei Fluchtversuch eines Häftlings, 141/2002

Querschläger trifft Beamten beim Fluchtversuch eines Häftlings

Westfalen-Blatt Nr. 141

Bielefeld (WB). Bei einer Rangelei mit einem Strafgefangenen, der einen Arztbesuch in Bielefeld-Brackwede zur Flucht nutzen wollte, ist gestern morgen ein 34 Jahre alter Justizwachtmeister von einer Kugel aus der eigenen Waffe getroffen worden. Der Beamte wurde mit einer Fußverletzung und einem Schock ins Krankenhaus eingeliefert. Der 31-jährige russische Häftling konnte nur kurz entkommen. Er wurde nach wenigen Minuten von der Polizei gestellt.

Nach dem Besuch des HNO-Arztes hatte der wegen Bandendiebstahls in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede I einsitzende Straftäter versucht, seinen zwei Bewachern zu entkommen. Der 34-jährige Justizwachtmeister verlor bei dem Kampf seine Pistole. Geistesgegenwärtig warf sich sein Kollege (45) auf die Waffe, feuerte einen Warnschuss damit in die Luft ab und zielte schließlich auf die Beine des zu Fuß flüchtenden Häftlings, der die ganze Zeit über Handfesseln trug. Die Kugel verfehlte allerdings ihr Ziel. Als Querschläger traf sie stattdessen den 34-jährigen Vollzugsbeamten. Nach Polizeiangaben prallte das Geschoss von einer Steinmauer ab und durchschlug den Fuß des Mannes. Ein Notarzt versorgte den Verletzten, bis 'er kurz darauf ins Krankenhaus transportiert wurde. Zeugen des Vorfalls hatten unterdessen die Polizei alarmiert. Die Besatzung eines Streifenwagens nahm Minuten später die Verfolgung des flüchtenden Russen auf. 

Ein Polizist sprintete 300 Meter hinter dem Ausreißer her, der schließlich im Hinterhof einer Wohnsiedlung gestellt und bei heftiger Gegenwehr wieder festgenommen werden konnte.Bei dem Gefangenen handelt es sich nach Angaben des Leiters der geschlossenen Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede I, Robert Dammann, um einen Mann, der in Deutschland keinen festen Wohnsitz hat. Er sitzt seit August vergangenen Jahres wegen Bandendiebstahls in Untersuchungshaft. Spezialisiert war er offenbar auf das Entwenden von Autos. Gegen seine Verurteilung zu drei Jahren und drei Monaten Haft hat er Revision eingelegt.

Der Straftäter muss jetzt nach Angaben des JVA-Chefs mit mehrwöchigem Arrest rechnen: Einzelhaft und kein Fernsehen.

Von Edgar Fels


 

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