Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede:  Fest hinter Gefängnismauern, 150/2002

 

Fest hinter Gefängnismauern, 150/2002

Fest hinter Gefängnismauern, Mitarbeiter u. Insassen der JVA BiBra I feierten 25 - jähriges Bestehen

Bielefeld - Brackwede. 5,5 Meter sind sie hoch, die Mauern rund um das Areal der JVA Bielefeld - Brackwede 1. Viele bekannte Straffällige haben diese Mauern schon beherbergt, manche Monate-, andere Jahre lang. Hierher kommen Mörder, Betrüger, Vergewaltiger und Bankräuber, eben straffällig Gewordene, die ein Gericht in den geschlossenen Strafvollzug einwies. Mit einem Fest für Mitarbeiter und Insassen wurde jetzt das 25 - jährige Bestehen der Anstalt gefeiert.

1977 gebaut, war die JVA BiBra I zunächst als Ersatz für die damalige Bielefelder Haftanstalt in der Gerichtsstraße und für das Landgerichtsgefängnis in Paderborn geplant. Eine zentrale Untersuchungshaft -Anstalt für Männer und Frauen im Bereich Ostwestfalen sollte sich in Brackwede etablieren. So wurde das 12,7 Hektar große Gelände gekauft und am ersten Mai 1977 zogen die ersten Häftlinge ein. Offiziell eröffnet wurde die JVA BiBra I am 30. August 1977 durch den damaligen Justizminister Dr. Dieter Posser.

Die JVA besteht aus sieben Hafthäusern, die zum Teil in sogenannter Kammbauweise errichtet wurden, um eine bautechnische Trennung von Mittätern zu gewährleisten. "Gerade in der Untersuchungshaft muss vermieden werden, dass sich Täter vor Vernehmungen oder Gerichtsverhandlungen absprechen können", erklärte Oliver Burlage, Jurist in der JVA.

Eines der sieben Hafthäuser ist als eigenständige Einheit ausschließlich für weibliche Insassen (Strafhaft und U - Haft) vorbehalten. Die übrigen Hafthäuser wurden zunächst für den Vollzug der männlichen U - Haft sowie für Strafgefangene des Erstvollzugs genutzt. Heute sind in der JVA neben kurzfristigen Gefangenen (bis 24 Monate Haftzeit) auch langstrafige (über 24 Monate bis lebenslängliche Haftzeit) untergebracht. Besonders schwierig war die Zeit der 70 er Jahre, als die innere Sicherheit der BRD durch terroristische Gewalttaten erschüttert wurde", sagte Anstaltsleiter Robert Dammann. Umfangreiche Um– und Erweiterungsbaumaßnahmen wurden in diesem Zusammenhang Anfang der 80 er Jahre auch in der JVA BiBra I durchgeführt, um eine erhöhte Sicherheit zu gewährleisten.

Insgesamt waren danach sieben weibliche Gefangene aus der RAF hier untergebracht - darunter Sieglinde Hofmann, Adelheid Schulz, Birgit Hogefeld und Brigitte Mohnhaupt. Ein anderer prominenter "Gast": Der Geiselnehmer aus Gladbeck, Hans - Jürgen Rösner.

Trotz des hohen baulichen Sicherheitsstandarts gab es auch Ausbrüche. In den 80 er Jahren gelang z.B. einem Mann und einer Frau, versteckt in einer Transportkiste, die Flucht. Der schwerwiegendste Vorfall ereignete sich im Sommer 1987, als drei Gefangene zwei Vollzugsbeamte als Geiseln nahmen. Sie forderten ein Fluchtauto von der Polizei, doch ein Spezialeinsatzkommando stoppte die Flucht mit einer Blend - Granate vor den Toren der Anstalt. Nach 19-stündiger Geiselnahme konnten die Täter so gestellt und überwältigt werden. 

Im Mai 1982 wurde das Hafthaus 6 mit 26 Haftplätzen für den verstärkt gesicherten Vollzug gebaut. Seitdem werden hier besonders gefährliche Gefangene untergebracht. Zusätzlich wurden an den Eckpunkten der Gefängnismauer vier Beobachtungskanzeln errichtet, die rund um die Uhr von bewaffneten Beamten besetzt sind. Im Männervollzug sind ursprünglich 481 Haftplätze vorgesehen - um die 580 Gefangene befinden sich tatsächlich in der JVA. Bei den Frauen sieht es ähnlich aus: 67 Haftplätze sind eingeplant und rund 100 Frauen werden beherbergt. "Wir haben derzeit rund 12 Gefangene hier, die lebenslängliche Haftstrafen zu verbüßen haben - zwei davon sind Frauen.", so Robert Dammann. Nur mit einer günstigen Prognose haben diese Täter die Chance, irgendwann wieder entlassen zu werden. "Die Mindesthaftzeit für Lebenslängliche liegt bei 15 Jahren. Ich habe in 18 Jahren Vollzugsdienst allerdings erst einen Fall erlebt, der nach 15 Jahren wieder raus gekommen ist - die meisten bleiben 20 oder sogar 30 Jahre im Gefängnis.

Beim Fest zum 25 - jährigen Bestehen wurde auf den Sportanlagen der Anstalt unter freiem Himmel gefeiert. Passend zur Weltmeisterschaft gab es ein Fußballturnier und deutsche Rockmusik von der Band "Lichterloh".

aus Neue Westfälische Nr. 150


 

Druckvorschau in neuem Fenster öffnen   zum Seitenanfang gehen