Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede:  Sommerfest im Frauenknast, 05.09.2002

 

Sommerfest im Frauenknast, 05.09.2002

Sommerfest im Frauenknast

Bielefeld - Ummeln: Gefangene und Wachpersonal grillen hinter Gittern.

Gibt es im Gefängnis Grund und vor allem die Gelegenheit, fröhlich zu feiern?

Sicherlich nicht allzu oft. In der Frauenabteilung der Justizvollzugsanstalt Ummeln war es jetzt wieder einmal soweit.

Fans der Fernsehserie "Hinter Gittern" wären von der Veranstaltung vermutlich enttäuscht gewesen. Bei der Gartenparty im real existierenden Frauenknast gab es weder Sex - noch Gewaltorgien, niemand versuchte auszubrechen, und sogar der Umgangston war bemerkenswert höflich und freundlich.

Wenn da nicht die acht Meter hohen Mauern, die unüberwindlichen Drahtzäune, die Wachtürme und die vergitterten Fenster gewesen wären, hätte man fast glauben können auf dem ganz normalen Betriebsfest einer Behörde oder Firma zu sein. Mit einer Einschränkung vielleicht: Es wurden ausschließlich alkoholfreie Getränke gereicht. Es gab gleich zwei Anlässe für das Sommerfest. Zum einen feierte die JVA Ummeln in diesem Jahr ihr 25 - jähriges Bestehen, zum anderen galt es, den in vorwiegend in Eigenarbeit fertiggestellten Gefängnisgarten einzuweihen. Im Frauentrakt sitzen zur Zeit 97 Gefangene im Alter von 20 bis 65 Jahren ein. Schwerverbrecherinnen gehören ebenso dazu, wie Frauen, die ein paar Tage Ersatzfreiheitsstrafe absitzen müssen, weil sie die wegen "Schwarzfahrens" verhängte Geldbuße nicht bezahlt haben.

Organisiert haben die Party die Justizvollzugsbeamt(inn)en Elke Holtmann, Jürgen Taubert, Nicole Hüttemann, Britta Meyer - Willig und die Sozialarbeiterin Ute Leisring. "Das letzte Fest haben wir vielleicht vor 15 Jahren gefeiert", so Elke Holtmann. Nicht bekannt ist, ob jetzt noch weibliche Häftlinge mitgefeiert haben, die schon damals zu den "Gästen" gehört haben.

Den Steuerzahler hat das Fest hinter Gittern übrigens nichts gekostet.

"Wir hatten Sponsoren", erläutert die Justizbeamtin. Kostenlos aufgetreten ist auch die Band "Beatbox", die den Partygästen mit Oldies und aktuellen Hits kräftig einheizte. "Es wäre sicherlich schöner gewesen, wenn die Frauen und die männlichen Gefangenen gemeinsam hätten feiern können", meint Elke Holtmann, "aber soweit sind wir heute noch nicht". Vielleicht ja in 15 Jahren . . . !

Quelle: Neue Westfälische Zeitung


 

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