Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede:  Ein Hauch von Alltäglichkeit, 14.12.2000

 

Ein Hauch von Alltäglichkeit, 14.12.2000

Ein Hauch von Alltäglichkeit

Rockband "Taste of Timeless" in JVA Brackwede

VON NATALIE BÜRGEL (NW vom 14.12.00)

Bielefeld-Brackwede: "Für uns war ein Auftritt in der JVA vor objektivem, unvorbereitetem Publikum, das unsere Musik noch nie gehört hat, eine echte Herausforderung", beschreibt Udo Grasekamp die Motivation der Band, sich um einen Auftritt hinter Gittern zu bewerben. Rund 140 Zuhörer - unten die Insassen aus dem Männervollzug und getrennt davon oben auf der Empore die Insassinnen aus dem Frauenvollzug - : fanden sich zum Rockkonzert ein und ließen sich von den rockigen Klängen der Band gerne mitreißen.

In der Mehrzweckhalle der Vollzugsanstalt, wo noch bis vor einiger Zeit drei bis vier Großveranstaltungen pro Jahr stattgefunden hatten, ist eine Veranstaltung heute eher eine Ausnahme. "Finanziell und personell ist das nur mit engagiertem Einsatz der Kollegen umsetzbar. Das bedeutet: "Zusatzschichten am Wochenende", erklärt Siegbert Honermeyer. Da die JVA I im übrigen total überbelegt' sei, hätten die Beschäftigten sowieso einen vollen Arbeitsplan. "Im Männervollzug sind 585 Plätze vorgesehen. Real haben wir hier rund 600 Insassen, und im Frauenbereich sieht das nicht viel anders aus. Auf 78 Plätze kommen dort 87 Frauen."

Die Zuhörer des Rockkonzertes waren begeistert Von der Musik von ;,Taste of Timeless" aus Enger. Mit den sieben Musikern,

Sigrun Stütten (Gesang), Dennis Grasekamp (Gitarre und Gesang), Michael Grasekamp (Gitarre) André Grasekamp (Bass und Gesang), Peter Schlüter (Schlagzeug), Howard Hanks (Gitarre und Texte) und Udo Grasekamp (Keyboard und Gesang), und mit ihren druckvollen Sounds und den stimmigen Arrangements kam richtig Stimmung auf. Natürlich wurde nicht getanzt, sondern die Insassen saßen alle auf ihren Stühlen, aber im Sitzen wurde dafür kräftig mitgewippt und geklatscht. "Wenn die hier durcheinander tanzen würden, ginge uns der Überblick verloren", so Siegbert Honermeyer. "Aber bei den Insassen sind derartige Veranstaltungen dennoch sehr beliebt. Sie bedeuten eben ein Stück Alltäglichkeit."

Abwechslungsreich waren die Titel der Band. Übrigens bis auf das letzte Stück (Knocking on heaven`s door) ausschließlich Eigenkompositionen. Schwere getragene Rockballaden, fetzige Rhythmen sowie gesangsintensive Parts wechselten sich stetig ab. Ausdrucksstark vor allem die klare, dunkle Stimme von Sängerin Sigrid Stütten, die den Liedern damit eine ganz individuelle Note verlieh. Aufbauend auf einer stimmigen Basis aus Schlagzeug, Bass; Gitarre und Keyboard rissen auch diverse Gitarrensoli die Zuhörer zu Beifallsbekundungen hin. "Ihr seid super", lobt Sigrun Stütten ihr begeistertes Publikum zwischen zwei Songs. Und prompt kam die Bestätigung zurück: "Ihr aber auch!"


 

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