Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede:  Gefangene der JVA Brackwede I stellen eigenes Theaterstück vor, 27.10.1998

 

Gefangene der JVA Brackwede I stellen eigenes Theaterstück vor, 27.10.1998

Gefangene der Justizvollzugsanstalt Brackwede I stellten eigenes Theaterstück vor.

Mit Schauspiel-Talent aus der Enge geträumt

Bielefeld-Brachwede (fja) Träumt euch aus euerer Enge! Die Botschaft war klar und unmissverständlich. Mit einen Theaterstück, unterstützt von der Kooperative Kunsthaus e.v. brachten am Wochenende 15 Strafgefangene der geschlossenen Justizvollzugsanstalt (JVA) Bielefeld-Brackwede 1 ihre Sehnsüchte, Ängste und Erfahrungen im Strafvollzug auf die Bühne. Ein ungewöhnliches Projekt, dass angesichts 30 Prozent Überbelegung und eingeschränkter Freizeitmaßnahmen nicht selbstverständlich ist. Um so erfreulicher, dass das Theater im Knast von allen Beteiligten als voller Erfolg gewertet wurde.

Als Schritt in die Normalität und willkommenen Kontakt nach draußen werteten die Laienschauspieler das Theaterprojekt, das zunächst mit Skepsis beäugelt wurde. Und natürlich waren alle gespannt, mal wieder den anderen Geschlecht gegenüber zu stehen. Denn Frauen und Männer laufen sich in der JVA normalerweise nicht über den Weg. Zu Beginn der Arbeitssitzungen wurde deshalb zunächst getrennt-geschlechtlich mit acht männlichen und weiblichen Gefangenen geprobt. Erst einige Tage vor den Aufführungen agierten die Inhaftierten zusammen auf der Bühne. Und das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Das Stück wirkte ehrlich und nicht aufgesetzt; ihr habt uns ein Spiegel vorgehalten, so der leitende Regierungsdirektor Dantz. Dabei sparte das Stück nicht mit Kritik. Der Vollzug als Institution wurde an mehreren Stellen angegriffen, Aggression und Gewalt, Monotonie und Enge und als Befreiung daraus der Traum, wurden in der Aufführung thematisiert. Das Stück wurde mit Gefangenen selbst entwickelt. Jeder konnte seine eigenen Texte und Lieder mit einbringen, und siehe da: In der JVA schlummern einige schauspielerische Talente.

Das sahen auch die Mitarbeiter der Kooperative Kunsthaus so. Dietlinde Budde und Harald Schmid wollen mit den Gefangenen in Kontakt bleiben, und vielleicht gibt es irgendwann eine Fortsetzung. Ermöglicht wurde das Projekt von dem Initiator der Straffälligenhilfe der Inneren Mission Bielefeld e.v. Evangelischer Gemeindedienst, so wie dem Verein zur Förderung der Straffälligenhilfe Westfalen/Lippe.


 

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