Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede:  Jeder Vorwurf wird verfolgt, 22.12.2000

 

Jeder Vorwurf wird verfolgt, 22.12.2000

Jeder Vorwurf wird verfolgt

Anstaltsbeirat führt jeden Monat Gespräche

( NW vom 22.12.00)

Bielefeld-Ummeln (Kle). Alle neun Mitglieder des Anstaltsbeirates der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bielefeld-Brackwede I in Ummeln halten einmal monatlich eine Sprechstunde für Strafgefangene ab. Mit dem Vorwurf, Bedienstete der Anstalt schauten gezielt weg, wenn U- oder Strafgefangene andere Häftlinge misshandelten, seien sie weder in diesem Jahr noch in der Vergangenheit je konfrontiert worden, betonte die Vorsitzende des Anstaltsbeirats Karl-Heinz Müller, der dieses Ehrenamt jetzt seit zwei Jahrzehnten innehat.

Er griff damit eine Erklärung von Anstaltsleiter Axel Dantz auf. Er bezog sich auf Aussagen in einem Prozess, der im Herbst dieses Jahres vor Gericht lief. Ein Mann der wegen eines angeblichen Sexualdeliktes in Untersuchungshaft saß, hatte mit mehreren Tagen Verzögerung gegenüber Vollzugsbediensteten erklärt, er sei von einem seiner drei Zellengenossen geschlagen und entwürdigend behandelt worden.

Auch dem kleinsten Hinweis werde nachgegangen

Dantz versicherte, es werde hinter Gittern alles getan, um selbstgerechte Übergriffe von Gefangenen auf Mitgefangene zu vermeiden. Auch dem kleinsten Hinweis werde nachgegangen, sofort Strafanzeige erstattet und - soweit die JVA selbst zuständig - werden auch

Disziplinarmaßnahmen ergriffen. Seine Mitarbeiter seien während ihrer Ausbildung alle entsprechend geschult worden.

Sexualstraftäter, die in der Hackordnung der Gefangenen ganz unten rangieren, würden - wenn ihr Haftgrund sich herumspreche - zu ihrem Schutz sogar eigens im besonders gesicherten Trakt der Anstalt untergebracht.

Der Anstaltsbeirat der JVA ist gerade erneut berufen worden

Wie der Beiratsvorsitzende Müller berichtete, führt jedes Mitglied des Anstaltsbeirates jährlich Gespräche mit etwa 100 bis 120 U- und Strafgefangenen. Überwiegend gehe es um private Probleme, bei denen sie sich Hilfe erhofften, wie zum Beispiel Kontaktaufnahme zu Angehörigen, Sicherung der Wohnung oder von Eigentum. Dazu kämen zahlreiche Klagen über die Enge der Unterbringung, aber auch über fehlende Arbeitsmöglichkeiten.

Der Anstaltsbeirat der JVA ist gerade erneut berufen worden. Müller bleibt weiterhin Vorsitzender, sein Stellvertreter ist Siegfried Kienitz. Obwohl in Ummeln auch Frauen einsitzen, besteht das Gremium inzwischen nur noch aus Männern. Von keiner Fraktion des Bielefelder Rates - sie müssen die Kandidaten vorschlagen - wurde eine Frau benannt. Müller: "Alle Frauen haben abgewinkt."


 

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